Wenn Schule zum Erlebnisraum wird – Die AG-Wahl zum 2. Halbjahr 25-26

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REPORTAGE

Wenn die Schule zum Erlebnisraum wird

Ein Nachmittag in den Arbeitsgemeinschaften der Gesamtschule Nettetal – wo aus Schülerinnen und Schülern Tüftler, Künstler, Sportler und Entdecker werden.

Februar 2026 Redaktion Schulwebseite 8 Min. Lesezeit
Schüler beim Kanubau im Rahmen des Ganztags
Praxis pur: Im Ganztag der Gesamtschule Nettetal entstehen echte Projekte – wie hier beim Kanubau.

Es ist Montagnachmittag, 14:15 Uhr. Während in vielen Schulen längst die Stühle hochgestellt sind, geht es an der Gesamtschule Nettetal erst richtig los. In der Turnhalle werden bald Bälle durch die Luft fliegen, im Musikraum Bässe aus den Boxen dröhnen, im Technikraum Bohrmaschinen surren und in der Schulküche wird es nach frisch gebackenem Brot duften. Willkommen in der AG-Zeit – dem Herzstück unseres Ganztags, wo Schule plötzlich ganz anders aussieht als im normalen Unterricht.

Mehr als nur Nachmittagsbetreuung: Wo Talente entdeckt werden

„Das Schönste ist, wenn plötzlich dieser Moment kommt und die Augen leuchten“, erzählt Herr Grünemeyer, der die neue AG „Technik-SpeedLab“ leitet. „Dann weiß ich: Hier hat gerade jemand etwas Neues an sich entdeckt.“ In seiner AG werden Fünftklässler lernen, wie ein Fahrzeug technisch funktioniert. Motor, Batterie, Schaltung – was für viele noch mysteriöse Begriffe sind, wird hier mit den eigenen Händen begreifbar. „Ich freue mich schon darauf, wenn die Kinder ihre selbst gebauten motorisierten Flitzer über den Tisch rollen lassen“, sagt er mit einem Lächeln.

Genau darum geht es in den achtzehn verschiedenen Arbeitsgemeinschaften, die wir unseren Fünft- und Sechstklässlern anbieten. Während der reguläre Unterricht wichtige fachliche Grundlagen vermittelt und komplexe Zusammenhänge durchdringt, ergänzen die AGs unser Bildungsangebot um eine andere, ebenso wertvolle Facette: den Raum für freies Ausprobieren, für Entdeckungen jenseits des Lehrplans und für Erfahrungen, mit denen man vielleicht auf den ersten Blick gar nicht gerechnet hätte.

Unsere Stärke als Gesamtschule Nettetal liegt genau darin – dass wir beides bieten können. In einer Schule soll gelernt werden, auch mal etwas Kompliziertes durchdrungen werden, denn das gehört zur Welt der Erwachsenen. Gleichzeitig ist es gewinnbringend, dass unsere Schule als Ort der Lernwerkstatt und als abwechslungsreicher Lebensraum empfunden wird. Hier muss niemand perfekt sein – hier darf man Anfänger sein, Fehler machen, neu ansetzen und dabei entdecken, was in einem steckt. Im Grunde zeigt das Halbjahr mit der AG, dass man Dinge ausprobieren sollte – und deshalb sind die 18 Angebote so bedeutungsvoll für die Erfahrung als Schüler an unserer Schule.

Vom Fußballfeld bis zur Meditationsmatte: Die Vielfalt macht’s

Auf der anderen Seite des Schulhofs, in der Turnhalle, wird eine ganz andere Atmosphäre herrschen. Frau Timmermanns, selbst Trainerin einer Damenfußballmannschaft, wird die Mädchen der Fußball-AG durch Passspiele und Taktikübungen coachen. In dieser AG kicken ausschließlich Mädchen – ohne Jungs, ohne den oft erlebten Leistungsdruck, dafür mit umso mehr Spaß am Spiel. „Viele Mädchen trauen sich im gemischten Sportunterricht nicht so richtig“, erklärt Frau Timmermanns. „In der AG können sie aufblühen. Und wer weiß – vielleicht entdeckt die eine oder andere ihre Leidenschaft für den Vereinsfußball.“

Direkt nebenan, in der zweiten Hallenhälfte, läuft parallel die AG „Kick dich fit“ mit Herrn Barheier. Auch hier geht es um Fußball, aber in einer ganz anderen Atmosphäre. Hier werden Anfänger neben fortgeschrittenen Kickern spielen, hier zählt vor allem der gemeinsame Spaß am Ball. Dass beides gleichzeitig funktioniert – spezialisierte Förderung und inklusives Miteinander –, zeigt die Bandbreite unseres AG-Angebots.

Diese Vielfalt setzt sich durch das gesamte Schulgebäude fort. Im Musikraum wird Herr Doffek mit seinen „SoundStartern“ an Mischpult und DJ-Controller experimentieren, während eine Nebelmaschine die Bühne in mystisches Licht taucht. Ein paar Räume weiter werden Schülerinnen und Schüler hochkonzentriert vor den Bildschirmen im PC-Raum sitzen – Herr Erenoral wird ihnen zeigen, wie man in Tinkercad ein 3D-Modell für den Drucker erstellt. „Wir formen die Zukunft“, heißt der Untertitel dieser AG, und das ist durchaus wörtlich gemeint. Was die Kinder am Computer entwerfen, werden sie wenige Tage später als fertiges Objekt in den Händen halten.

Wenn Schule zur Oase wird: Die „Wohlfühlwerkstatt“

Im Raum 03 wird eine ganz andere Atmosphäre herrschen. Leise Musik wird aus den Boxen plätschern, Kinder werden an Tischen sitzen und konzentriert an selbst gestalteten Windlichtern malen. „Wir wollen gemeinsam basteln und malen“, erklärt Frau Feemers, die Leiterin der neuen AG „Wohlfühlwerkstatt – Zeit für mich“. „Dabei hören wir leise Musik oder Geschichten und machen kleine Traumreisen. Nach einem ereignisreichen Schultag brauchen manche Kinder genau das: Einfach zur Ruhe kommen.“

Dass auch Entspannung und Achtsamkeit zum Bildungsauftrag gehören, zeigt sich auch in der AG „Move und Flow“, wo Frau Michel Tänze zu Pop-Musik mit Pilates-Übungen kombinieren wird. „Mal ruhig, mal mit viel Bewegung“, wie sie es beschreibt. „Wir werden Spaß haben, Balance finden und uns gemeinsam bewegen.“ Für zehn Euro können die Kinder hier ihre eigene Yoga-Matte erwerben – eine Investition, die weit über die AG hinausreicht.

Kreative Arbeit und Handwerk in der AG
Mit Herz und Hand dabei: Die AGs fördern kreative Talente und handwerkliches Geschick.

Lernen fürs Leben: Von der Schulküche bis zur Fahrradwerkstatt

In der Schulküche wird es lebhaft zugehen. Fünfzehn Schürzen, fünfzehn konzentrierte Gesichter, fünfzehn Schneidebretter, auf denen Gemüse geschnitten wird. Frau Köbbert, die Leiterin der „Essperten“-AG, freut sich schon darauf, durch das kreative Chaos zu navigieren wie eine Dirigentin durch ihr Orchester. „Die Kinder werden nicht nur kochen – sie werden verstehen, was gesunde Ernährung bedeutet, wie Lebensmittel zusammenwirken und warum selbst kochen besser ist als Fertigpizza“, erklärt sie. „Und natürlich werden wir am Ende gemeinsam essen und genießen.“

Diese Praxisnähe zieht sich durch viele unserer Angebote. Im Tischtenniskeller wird Herr Brakhane mit seinen Teilnehmern an alten Fahrrädern schrauben und sie wieder verkehrssicher machen. „Wir fangen mit dem eigenen Rad an“, erklärt er. „Wenn die Kinder verstehen, wie ihr Fahrrad funktioniert, gehen sie ganz anders damit um.“ Ähnlich praktisch wird es im Technikraum 01 bei Herrn Schmülling zugehen, wo in der AG „Holzdesign“ gesägt, gebohrt und geschmirgelt wird. Die fertigen Werkstücke werden die Schülerinnen und Schüler mit nach Hause nehmen – stolze Trophäen handwerklichen Könnens.

Grenzen überschreiten: Wenn der Unterricht die Schule verlässt

Nicht alle AGs finden innerhalb der Schulmauern statt. Das Taekwondo Leistungszentrum NRW liegt nur fünfzehn Gehminuten von der Schule entfernt – für manche Kinder eine kleine Expedition ins Unbekannte. Herr Sargsyan und Herr Lambertz werden dort Taekwondo und Thaiboxen unterrichten, zwei Kampfsportarten, die weit mehr vermitteln als nur Tritte und Schläge. „Es geht um Selbstbeherrschung, Respekt und Selbstvertrauen“, betont Herr Lambertz. „Die Kinder werden lernen, ihre Kraft zu kontrollieren, nicht sie einzusetzen.“ Der Weg dorthin und zurück ist Teil der Erfahrung – eigenständige Mobilität, die im behüteten Schulalltag manchmal zu kurz kommt.

Auch die Schwimmhalle in Breyell ist ein externer Lernort. Jeden Montag von 13:30 bis 15:00 Uhr werden Herr Schossow und Frau Neubauer Kinder, die noch nicht schwimmen können, auf dem Weg zum Seepferdchen begleiten. Diese AG ist nicht frei wählbar – sie ist eine wichtige Fördermaßnahme für diejenigen, denen diese grundlegende Fähigkeit noch fehlt. „Schwimmen zu können ist nicht nur schön, es kann Leben retten“, sagt Frau Neubauer. „Deshalb nehmen wir uns hier bewusst die Zeit, die jedes Kind individuell braucht.“

Über den Tellerrand: Nederland, Natur und digitale Welten

„Hallo! Hoe gaat het?“ Mit dieser fröhlichen Begrüßung wird Frau Quaedvlieg ihre Schülerinnen und Schüler im Raum 104 empfangen, wo sie die ersten Schritte ins Niederländische wagen werden. „Hallo Nederland!“ heißt die AG, in der unsere direkte Nachbarschaft zum Erlebnisraum wird. Tulpen, Windmühlen, Sinterklaasfeest – spielerisch werden die Kinder eine Kultur entdecken, die geografisch so nah und doch oft so unbekannt ist. „Viele unserer Schüler fahren mit den Eltern zum Einkaufen nach Venlo“, erzählt Frau Quaedvlieg. „Wie schön ist es, wenn sie dort plötzlich ein paar Worte verstehen oder sogar selbst sprechen können!“

Während manche in die Sprache der Nachbarn eintauchen, werden andere die digitale Welt erkunden. In der Bücherei – ja, in der Bücherei! – wird unter der Leitung von Frau Hendricks eine ganze Stadt entstehen. Nicht mit Bauklötzen, sondern in Minecraft. „Hier steht Kreativität und Vorstellungskraft im Vordergrund“, erklärt sie. „Die Kinder werden in kleinen Gruppen planen, verhandeln, sich einigen und gemeinsam umsetzen. Das ist Teamarbeit pur.“ Bewusst begrenzt: Diese AG darf jedes Kind nur einmal wählen, damit möglichst viele die Chance bekommen, dabei zu sein.

Zurück zur analogen Natur geht es im Schulgarten, wo Frau Herdieckerhoff mit ihren „Gartenfreunden“ Beete anlegen, Pflanzen setzen und Insektenhotels bauen wird. Unterstützt vom NABU, werden die Kinder hier lernen, was Biodiversität bedeutet, warum Bienen so wichtig sind und wie befriedigend es ist, selbst gesäte Radieschen zu ernten. „Wetterfeste Kleidung ist Pflicht“, lacht Frau Herdieckerhoff. „Denn Gartenarbeit heißt: raus bei jedem Wetter!“

Jetzt seid ihr dran: So funktioniert die AG-Wahl

Ihr fragt euch jetzt sicher: Wie komme ich da rein? Wie wähle ich meine AG? Die gute Nachricht: Der Prozess ist einfach, transparent und fair. Bereits in der kommenden Woche startet die offizielle Wahlphase für das zweite Halbjahr. Am Mittwoch, dem 18. Februar 2026, sind die Sechstklässler an der Reihe, am Donnerstag, dem 19. Februar, folgen die Fünftklässler. In der siebten Stunde ist jeweils der PC-Raum geöffnet, wo die Wahl begleitet und erklärt wird.

Die Wahl selbst findet über unsere Schulplattform IServ statt. Einfach unter www.ge-nettetal.net einloggen, Anmeldedaten bereithalten, und schon kann es losgehen. Für alle, die unsicher sind, haben wir ein Erklärvideo erstellt, das Schritt für Schritt durch den Wahlprozess führt. Ihr findet es auf unserer Webseite.

Wichtig für Eltern: Das sollten Sie wissen

Liebe Eltern, ein paar wichtige Informationen für Sie: Die AG-Wahl ist für ein ganzes Halbjahr verbindlich. Das bedeutet, Ihr Kind legt sich mit seiner Entscheidung fest – ein Wechsel während des Halbjahres ist nicht möglich. Das hat einen guten Grund: Nur so können wir verlässliche Gruppen bilden, in denen echte Lernprozesse und soziale Bindungen entstehen. Die Teilnahme an der gewählten AG ist verpflichtend und wird wie regulärer Unterricht behandelt. Das heißt auch: Bei Krankheit muss Ihr Kind entschuldigt werden, genau wie im Vormittagsunterricht.

Die meisten AGs finden montags von 14:15 bis 15:45 Uhr statt. Eine Ausnahme bildet die Schwimmschule, die bereits um 13:30 Uhr beginnt – bitte beachten Sie das bei Ihrer Planung. Einige AGs sind mit Kosten verbunden, die von fünf Euro für Material bei der Fahrradwerkstatt bis zu 30 Euro für einen Taekwondo-Anzug reichen. Die genauen Kosten sind bei jeder AG transparent aufgeführt.

Bitte besprechen Sie die Wahl gemeinsam mit Ihrem Kind. Es ist wichtig, dass Ihr Kind eine AG wählt, die wirklich zu seinen Interessen passt, nicht zu denen der besten Freundin oder des besten Freundes. Nur so kann die AG-Zeit zu dem werden, was sie sein soll: eine Bereicherung des Schulalltags.

Ein wichtiger Hinweis zur Fairness: Im ersten Halbjahr durfte der Jahrgang 5 zuerst wählen, im zweiten Halbjahr sind nun die Sechstklässler an der Reihe. So stellen wir sicher, dass beide Jahrgänge gleichermaßen die Chance auf ihre Wunsch-AGs haben. Sollte eine AG überbelegt sein, greift ein faires Verteilungssystem.

Ein Nachmittag, der Spuren hinterlassen wird

Bald wird es 15:45 Uhr sein, die AG-Zeit wird enden. Im Foyer der Schule wird buntes Treiben herrschen. Kinder werden ihre Sachen packen, sich gegenseitig ihre gebastelten Windlichter zeigen, über die Taktik beim nächsten Fußballspiel diskutieren, von ihren ersten 3D-Drucken schwärmen.

„Das hier ist der Grund, warum wir Ganztagsschule sind. Nicht, weil wir müssen, sondern weil wir wollen.“ Frau Bones, Koordination Ganztag

Genau so soll Schule sein: Ein Ort, an dem Kinder lernen und auch entdecken, was in ihnen steckt. Ein Ort, an dem sie Dinge ausprobieren können, die sie vielleicht nie für sich in Betracht gezogen hätten. Ein Ort, an dem aus Schülerinnen und Schülern Tüftler, Künstler, Sportler und Entdecker werden.

Noch Fragen?

Wenn Sie als Eltern oder ihr als Schülerinnen und Schüler noch Fragen zur AG-Wahl habt, sprecht einfach euer Klassenlehrerteam oder Frau Bones an. Alle Informationen findet ihr auch auf unserer Webseite unter www.ge-nettetal.de/schulleben/ganztag. Dort sind alle achtzehn AGs mit Beschreibungen, Bildern, Kosten und Besonderheiten aufgeführt.

Wir freuen uns auf ein spannendes, kreatives, bewegtes und bereicherndes zweites Halbjahr mit euch!


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