
1Christian Küsters, Bürgermeister in Nettetal, brachte viel Zeit und Interesse mit, um sich über das jahrelange Engagement und die Aktionen rund um die Schüler:innen-Toiletten vom Team „Schultoiletten“ an der Gesamtschule Nettetal in Breyell zu informieren und um ein originelles Geschenk entgegenzunehmen.
Gemeinsamer Austausch
Die Gesprächsrunde, die am Donnerstagmorgen, den 3. Juli 2025, zusammenkam war umfassend: die Schülerschaft vertraten Nadia, Kilian und Timo aus dem 5. Jahrgang sowie Lina, Florian, Sedra und Lina aus dem 10. Jahrgang. Dieser hatte in den letzten beiden Schuljahren ein Riesenprojekt anlässlich des Welttoilettentages organisiert, und wurde im „Rückblick auf 2024“ von der Rheinischen Post als „Coolste Aktion des Jahres“ ausgezeichnet. Zwischen seinen Unterrichtsstunden gesellte sich auch Schulleiter Dr. Leo Gielkens dazu.
Auch Sozialpädagogin Lisa Heimbucher und die beiden Schülermütter Stephanie Thissen und Despina Kapnidou-Panagiotidou waren dabei. Als Gruppe fanden sich alle im Team „Schultoiletten“ beim Didaktischen Ausschuss (DA) zusammen. Kapnidou-Panagiotidou brachte ihren Ehemann mit, der zwar nicht offiziell dem DA angehöre, erklärte sie, aber alle Schreinerarbeiten freudig übernommen hatte, um Bürgermeister Küsters und die Politiker:innen in Nettetal auf äußerst originelle Weise über alle Missstände rund um die Toiletten an der Gesamtschule zu informieren: eine bunte Toilette mit einem ellenlangen informativen Brief – symbolisch als Toilettenpapier aufgerollt, unterschrieben von allen Schüler:innen der Gesamtschule Nettetal. „Ich war als Schreiner mit dem ganzen Herzen dabei, weil es für einen guten Zweck ist“, erklärt Panagiotis Panagiotidis.
Bürgermeister Küsters lobt, dass so viele Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen am Thema mitwirken: „Wir haben alle einen gemeinsamen Willen und müssen einen gemeinsamen Weg gehen“, sagt er. Interessiert fragt er nach, ob es mit den anderen Nettetaler Schulen schon einen Austausch gegeben habe. Leider bisher nur vereinzelt.
Verschiedene Aktionen
Die Toilettensituation ist immer wieder ein großes Thema in den SV-Sitzungen (Schülervertretung) und in den Elternpflegschaftssitzungen. Vertreter der Eltern- Schüler- und Lehrerschaft hatten schon viel in die Wege geleitet:
- die Toiletten gemeinsam geschrubbt und gewienert
- den Drogeriemarkt DM als Sponsor für viele Hygieneartikel (Klobürsten, Duftbäume, Hygienespray) gewonnen
- am Wettbewerb „Toiletten machen Schule“ teilgenommen
- am 17.11.2024 am Welttoilettentag mit einer Kunstausstellung unter dem Motto „WCollage“ teilgenommen
- Toilettenbeutel (mit Binden, Tampons, Hygienespray, Klopapier) für die Jahrgänge 5 und 6 zur Verfügung gestellt
- mit Hochdruckreiniger gesäubert, auf Anfrage der unteren Klassen
- einen Toilettendienst eingerichtet
- die Toiletten abgeschlossen, um gegen eine Unterschrift zu öffnen (lange Wartezeiten!)
- die Pausenaufsicht der Lehrerschaft in den Toiletten verstärkt
„Unsere Schule umfasst mittlerweile cirka 950 Schüler:innen,“ so Stephanie Bones, die die Unterrichtsprojekte im 10 Jahrgang durchführt, “ dafür sind zehn Mädchen-WCs und vier Jungen-WCs mit Rinne mittlerweile zu wenig.“
Schulleiter Dr. Leo Gielkens bietet eine einfache und zügige Verbesserung an: „Während der Unterrichtszeit können die Toiletten im Inneren des Gebäude für die Schüler:innen geöffnet werden.“
Lina meint: „Es sind nur ganz wenige Schüler:innen, die ihrem Ärger in den WCs Luft machen und Dinge beschädigen. Aber die meisten von uns benehmen sich und müssen darunter leiden.“Es fehlten insbesondere Klodeckel. Küsters meint, selbstverständlich gehöre eine Klobrille zur Grundausstattung einer respektablen Toilette!
Auszüge aus dem Brief an den Bürgermeister
In einem ellenlangen Brief, der als Toilettenrolle aufgerollt wurde, wollen die Schüler:innen von der aktuellen Toilettensituation an der Gesamtschule berichten:
„Lieber Herr Bürgermeister Küsters,
wir wenden uns an Sie, weil wir völlig verzweifelt sind. (…) Sie sind nun unsere letzte Hoffnung.
Eigentlich sollten Toiletten ein Rückzugsort sein, an dem man in Ruhe, ungestört und ohne Angst aufs Klo gehen kann. Doch viele unserer Freund und Freundinnen berichten darüber, dass sie sich sehr unwohl dabei fühlen. Die WCs sind oft dreckig und man muss sich ekeln. Man kann sie manchmal nicht abschließen. Es gibt keine geschlossenen Mülleimer für Binden und Tampons. Oft fehlt Seife, Klopapier und Desinfektionsmittel gibt es nicht. (…) Außerdem stinkt es furchtbar, weil der urin nicht abläuft und es keine Spülung gibt.
Viele Schülerinnen und Schüler trauen sich den ganzen Tag nicht auf die Toilette zu gehen, weil es dort so schrecklich ist. (…) Wenn man aber den ganzen Tag (9 Stunden)aufhält, dann bekomme man Bauchschmerzen davon. Manchmal ist uns richtig schlecht, wir trinken extra weniger, doch dann kann man sich noch weniger konzentrieren. (…)
[Wir] hoffen sehr auf Ihre Unterstützung und Ihre Fürsprache in dieser Sache, denn Ihr Wort ist bedeutend in Nettetal.“
- Silke Schnettler: Schüler schrubben die Schultoiletten, in: RP 21.11. 2024 ↩︎


