
In der 9. Klasse wurde uns im Französischunterricht die Möglichkeit angeboten, die DELF-Prüfung auf dem Niveau A2 zu absolvieren. Für viele von uns war es einfach ein Versuch, auch für mich. Ein erstes Hineinschnuppern in das, was sprachlich möglich ist.
Ein Jahr später folgte B1, diesmal gemeinsam mit einem Klassenkameraden und einigen Schüler*innen aus der Oberstufe. Mit viel Übung und der Unterstützung von Frau Sieker meisterten wir auch diese Stufe.
Dann kam B2 und plötzlich stand ich alleine da. Ich hatte versucht, einige Freunde zu motivieren, die die Prüfung bereits gemacht hatten, aber niemand wollte sich noch einmal auf diesen Weg begeben. Allein gelassen fühlte ich mich trotzdem nicht: Frau Nehrig, Mutter einer Schülerin und gebürtige Französin, bot ihre Hilfe an. Woche für Woche bereitete sie sich mit mir auf die Prüfung vor, ehrenamtlich, geduldig und motivierend.
Mit dem höheren Niveau kamen auch neue Hürden. Schreiben und Lesen lagen mir schon immer, doch Hörverstehen und freies Sprechen? Das war ein ganz anderes Problem. Auswendig gelernte Sätze reichten nicht mehr, plötzlich ging es um Spontaneität, um Argumentation, um echtes Sprachgefühl. Genau da setzte unsere Vorbereitung an. Stück für Stück entwickelte ich Sicherheit, nicht nur sprachlich, sondern auch persönlich.
Viele fragten mich: Warum tust du dir das überhaupt an? Bringt dir das was? Für mich war die Antwort klar: Ich wollte die Jahre Französischunterricht nicht einfach verstreichen lassen. Sprachen fielen mir immer leicht, aber es ging um mehr. Ich liebe es, mich anders auszudrücken, andere Perspektiven kennenzulernen, Kulturen zu verstehen.
Und ich wollte mir selbst beweisen, dass ich in der Lage bin, Verantwortung für meinen eigenen Lernweg zu übernehmen, unabhängig vom Unterricht. Was ich auf diesem Weg gelernt habe, geht über Grammatik und Vokabeln hinaus. Es geht um Geduld. Um Disziplin. Um Durchhaltevermögen. Und vor allem: um Menschen, die an einen glauben. Wer sich in meinem Text wiedererkennt, dem möchte ich sagen: Nutze die Chancen, die sich dir bieten. Warte nicht, bis jemand dich anschiebt.
Ich grüße euch
Vanesa