Scheinbar online: Wenn das digitale „Doppelleben“ zur Zerreißprobe wird
Nettetal. Das Pädagogische Zentrum liegt im Halbdunkel, nur das kühle, bläuliche Licht von zwei Dutzend Smartphones flackert in den Zuschauerreihen auf. Auf der Bühne klackert leise eine Tastatur, im Hintergrund leuchtet auf einer Leinwand die unheilvolle Botschaft: „Ich sehe dich…“. Es ist eine Szene, die die Zerrissenheit unserer heutigen Lebensrealität kaum besser auf den Punkt bringen könnte – und die perfekte Kulisse für das neue Theaterprojekt unserer Schule.
Seit Monaten probt das Ensemble des Literaturkurses unter Hochdruck. Das Ziel: Ein Stück auf die Bühne zu bringen, das die Lebenswelt der Jugendlichen radikal spiegelt. Mit Selma Mahlknechts moderner Tragikomödie „Du lebst nur keinmal“ haben sich die Schülerinnen und Schüler einen Stoff ausgesucht, der direkt ins Herz unserer digitalisierten Gesellschaft zielt.
Yolo? Von wegen!
Der Titel des Stücks bezieht sich auf die Abkürzung „Yolo“ (You only live once), die unter Jugendlichen als Synonym für Lebensfreude, unbeschwerte Risikobereitschaft und den puren Moment steht. Doch die Inszenierung wirft einen kritischen Blick hinter diese glänzende Fassade.
„Eigentlich müsste der Spruch heute ganz anders lauten, und zwar: ‚Du lebst nur zweimal‘“, regt eine Darstellerin aus der Jahrgangsstufe in einer Probenpause zum Nachdenken an. Denn längst führen die meisten von uns ein echtes Doppelleben: Einmal in der analogen, manchmal grauen Realität des Schul- und Familienalltags – und einmal in der unermesslichen, bunten und scheinbar fehlerfreien Weite des Internets.
„Wir wollen mit dem Stück nicht belehrend wirken, sondern aufzeigen, was dieses ständige Online-Sein mit unseren echten Beziehungen macht – und wie schnell man sich im virtuellen Netz verlieren kann.“ Aus dem Ensemble des Literaturkurses
Zwischen Realität und virtuellem Netz
Ohne Smartphone, Tablet oder Laptop ist das Leben für fast niemanden mehr vorstellbar. Das Stück zeigt humorvoll, aber auch mit beklemmender Tiefe die Aspekte dieser permanenten virtuellen Vernetzung. Wer sind wir, wenn unsere Identität über Likes, Storys und perfekt inszenierte Schnappschüsse definiert wird? Und was passiert, wenn dieses digitale Alter Ego plötzlich mächtiger wird als die eigene reale Persönlichkeit?
Die Zuschauerinnen und Zuschauer dürfen sich auf ein dynamisches Zusammenspiel aus Schauspiel, multimedialen Elementen und einer mitreißenden Musikauswahl freuen. Es ist ein Abend für alle Generationen: Er regt Eltern dazu an, die digitale Welt ihrer Kinder besser zu verstehen, und fordert Jugendliche heraus, das eigene Smartphone-Verhalten mit einem Augenzwinkern zu hinterfragen.
Karten für die beiden Aufführungen am Samstag, den 4. Juli, und Sonntag, den 5. Juli, sind ab sofort erhältlich. Kommen Sie vorbei, schalten Sie Ihr Handy für zwei Stunden auf stumm und tauchen Sie ein in eine Inszenierung, die uns alle betrifft!




