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RP: Schüler für Technik begeistern

Für einen Technik-Workshop in der achten Klasse hat die Gesamtschule Nettetal mit Ingenieuren der Hochschule Niederrhein zusammengearbeitet. Das Projekt ist Teil einer naturwissenschaftlichen Initiative.

VON HANS HENDRIK FALK

BREYELL Eine knifflige Aufgabe ist es, die kleinen Leuchtdioden (LED) auf die Platine zu löten. Mit dem extra-feinen Lötkolben verbindet Schülerin Carolin Berten LED, Widerstände und Widerstandsregler, die sogenannten Potenziometer, auf der Leiterplatte. "Technik ist nichts für mich", stöhnt die 14-Jährige, um wenig später stolz zu verkünden, dass sie "Fertig!" ist. Sie dreht an den Potenziometern und lässt die LED in Blau, Rot und Grün leuchten. Die Schüler der 8c an der Gesamtschule in Breyell lernen in einem Workshop mit der Hochschule Niederrhein etwas über das Farbspektrum von Leuchtdioden. Letzte Woche war der Theorieteil, gestern setzten sie ihre Kenntnisse in die Praxis um.

Jonas Klingen, Maurice Hemkens, Jule Kersebaum und Lisa Maria Fregien (v.l.) aus der 8c zeigen die Leuchtdioden-Platinen, die sie im Technik-Workshop selbst zusammengebaut haben. 

 

Engagement der Unternehmen ist "stark ausbaufähig"

Den Unterricht hat Ingenieur Matthias Krause geleitet. Das Projekt ist hervorgegangen aus der Gemeinschaftsinitiative von Schulen, Kommunen, Hochschulen und Wirtschaft "Zukunft durch Innovation" (ZDI), welches ihre Kreiszentrale an der Gesamtschule Nettetal hat. Das ZDI will mit anspruchsvollen Angeboten möglichst viele Schüler für ein Ingenieur- und naturwissenschaftliches Studium begeistern. Denn an Ingenieuren fehlt es in Deutschland nach wie vor. Das Land unterstützt die Projekte.
An der Gesamtschule entsteht ein neuer Anbau, das ZDI-Zentrum, Schulleiter Roland Schiefelbein sagte gestern, dass der Spatenstich für das einstöckige Gebäude Ende Februar gesetzt werde. Im Herbst soll der Neubau samt großzügigen Technikraum mit Ausstattung fertig sein.
Also auch rechtzeitig zum Start des kreisweit einzigen Technikunterrichts für die Oberstufe ab dem Schuljahr 2012. Sobald das Konzept für den Technikkurs ausgereift ist, will der Schulleiter dafür in allen Sekundarstufen I werben.
Technikunterricht haben bislang nur die Klassen Acht und Zehn. Bei denen sieht Schiefelbein großes Potenzial. "Die Schüler sind hochmotiviert", meint er. Was seiner Meinung nach noch stark ausbaufähig ist, sei das Engagement der Wirtschaft im Kreis. "Die bisherigen Erfahrungen an den anderen 30 ZDI-Zentren zeigen, dass es dort am besten läuft, wo die Projekte von Unternehmen angekurbelt werden", sagt Schiefelbein.
Dem ersten Workshop mit der Hochschule Niederrhein sollen viele weitere folgen. Die Kosten für das Leuchtdioden-Projekt hat die Hochschule übernommen. Der Schulleiter hofft, mit dem geplanten Oberstufenkurs Module direkt an der Hochschule abzuhalten. Vorteil für die Schule: Keine Materialkosten, Praxisnähe. Vorteil für die Hochschule: Ihre künftigen Studenten könnten sie direkt aus der Oberstufe rekrutieren.
Schiefelbein möchte besonders Mädchen ermuntern, einen technischen Kurs einzuschlagen. Für Carolin Berten ist das Studium allerdings noch Schnee von morgen. Ihr Wahlfach für die Oberstufe hingegen muss sie schon in zwei Jahren wählen. Dass Technik sehr wohl etwas für sie sein könnte, hat sie gestern bewiesen.

INFO
Nachwuchsprobleme
Ingenieurmangel  Rund 20 000 Ingenieure fehlen in Nordrhein-Westfalen.
ZDI  30 von Land und EU geförderte Zentren in NRW bieten Technikunterricht und naturwissenschaftlichen Unterricht mit modernsten Mitteln.


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