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Unterricht ist nicht nur Fachvermittlung (RP)

Angelika Eller-Hofmann leitet seit drei Monaten die Gesamtschule Nettetal. Die Essenerin unterrichtet dort schon seit 1998 die Fächer Mathematik und Pädagogik. Geplant hatte sie ursprünglich etwas ganz anderes.

NETTETAL Studenten und Referendare haben in der Regel konkrete Idealvorstellungen vom Lehramt, das sie anstreben. Mit einem abgeschlossenen Studium der Mathematik und Pädagogik im Gepäck sowie den ersten Erfahrungen im Referendariat am Seminar Oberhausen brach 1998 Angelika Eller-Hofmann von Essen nach Nettetal auf. Sie wollte als junge Lehrerin praktische Erfahrung sammeln und dann an ein Gymnasium in Essen oder Umgebung wechseln.

Diesen Wunsch hat sie recht schnell zurückgestellt. „Mich hat das Gesamtschulkonzept überzeugt. Die Arbeit mit heterogenen Schülergruppen erschien mir viel besser. Mir wurde zunehmend klar, dass es im Unterricht nicht nur um Fachvermittlung geht. Das alles schien mir sehr viel mehr Sinn zu machen”, erinnert sie sich. Geahnt hat Angelika Eller-Hofmann allerdings nicht, dass sie nicht nur dauerhaft in Nettetal unterrichten würde, sondern ihr Weg sie geradewegs in eine Leitungsfunktion führte.

Die Essenerin erhielt Ende Januar, am Tag des Abschieds von Roland Schiefelbein als Leiter der Gesamtschule, die Urkunde der Bezirksregierung als Nachfolgerin des Mönchengladbachers. So nahtlos rein äußerlich der Übergang war, so frei von Brüchen gestaltet sich tatsächlich die Arbeit Angelika Eller-Hofmanns als verantwortliche Leiterin einer Schule, die mittlerweile 950 Kinder und Jugendliche aufs Leben vorbereitet. Hundert Tage nach ihrer offiziellen Bestellung als Schulleiterin sagt sie vorbehaltlos: „Die Entscheidung war richtig.”

Zum Foto: Für die Gesamtschule war sie nach 17 Jahren die „natürliche Nachfolgerin” von Roland Schiefelbein: Angelika Eller-Hofmann ist darauf bedacht, ihre Vorstellungen von gutem Unterricht weiter zu entwickeln.  (RP-Foto: Busch)

Als ursprünglich „überzeugte Gymnasiallehrerin” faszinierte Eller-Hofmann die Herangehensweise des Kollegiums an der Gesamtschule an die Kinder. „Ich bin ein Fan von gutem Unterricht, der Lern- und Lebensweisen für Schüler vermittelt”, sagt sie. Im Laufe der Jahre hat sie sich immer näher an dieses Prinzip herangearbeitet. Die langen Fahrten nach Hause und zur Schule empfinde sie keineswegs als lästig oder belastend. „Ich ordne unterwegs meine Gedanken. Die eine oder andere Idee ist im Auto entstanden, gleichzeitig aber baue ich auf der Heimfahrt Spannungen ab. Ich nehme Probleme nicht mit nach Hause”, betont sie.

In den vergangenen Jahren hat sie eine ganze Reihe von Funktionen - unter anderem auch als Vertrauenslehrerin - an der Schule übernommen und parallel dazu ihre fachlichen Kompetenzen ergänzt. Sie stieg auf ins Leitungsteam. Als Norbert Charge plötzlich starb, rückte sie auf zur Didaktischen Leiterin. „Ich habe aber nie daran gedacht, die Leitung anzustreben”, sagt sie nachdenklich. Umso überraschter sei sie gewesen, als Roland Schiefelbein und dessen Stellvertreterin Irene Sieker sie gemeinsam fragten, ob sie Schulleiterin werden wolle.

Angelika Eller-Hofmann wollte - spätestens zu dem Zeitpunkt, als sie ganz sicher war, dass Irene Sieker sich nicht als designierte Schuleiterin sah und dies auch nicht wollte. „Wir ergänzen uns in idealer Weise. Sie ist verantwortlich für Organisation und Verwaltung, das macht sie hervorragend. Ich konzentriere mich auf die methodische und didaktische Leitung. Da schlägt mein Herz, weil Unterrichtsentwicklung mir immer schon Spaß bereitete." Der Unterschied: Sie selbst muss nun entscheiden, ob ihre Konzepte oder die von Kollegen umgesetzt werden. Neben dem hohen bürokratischen Aufwand einer Schulleitung hat sie erfahren, dass eine Eigenschaft ganz besonders wichtig ist. „Ich muss kommunikativ nach innen und außen sein.”

Was unterscheidet sie von ihrem Vorgänger? Anders als Schiefelbein setzt sie nicht ihre persönlichen Akzente in der Berufsvorbereitung über BaseL und das Programm Zukunft durch Innovation (zdi). Mit dem Kollegium arbeitet sie vielmehr daran, dass die Gesamtschule eine zertifizierte MINT-Schule mit Gütesiegel wird (siehe Infobox).

VON LUDGER PETERS   

Nahziel

Zertifizierung as MINT Schule erreichen

Ziele Die Gesamtschule bewirbt sich für die Anerkennung als MINT-Schule. Voraussetzung ist eine klare Profilbildung in den mathematisch-naturwissenschaftlichen
Fächern. Einem Audit folgen im Erfolgsfall die Zertifizierung und die dreijährige Anerkennung. Das damit verbundene Gütesiegel öffnet der Schule, dem Kollegium und den Schülern die Einbindung in Netzwerke von Partnerunternehmen und Bildungseinrichtungen sowie Fortbildungen.

Privat Angelika Eller-Hofmann ist 44 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder im Grundschulalter. Das eine kommt in die Schule, das andere wechselt zur weiterführenden Schule. In Essen-Bergerhausen engagiert sie sich in der katholischen Pfarre St. Hubertus und Rafael - aber aus zeitlichen Gründen etwas eingeschränkt.

Nachrichten-Archiv 2014


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