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GN: Studienfahrt zum Nachdenken

Nettetaler Gesamtschüler reisten ins Konzentrationslager nach Auschwitz

„Es geht nicht nur um trauern, auch um mitnehmen und weiterge­ben.” Pfarrer Manfred Dese­laers gab dies im Zentrum für Dialog und Gebet in Auschwitz den Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg. 67 Schüler aus Kerpen, Krefeld und Nettetal waren bei den Gedenkfeiern zum Jahrestag der Befreiung im Konzentrationslager am 27. Ja­nuar 1945 dabei.

Die Stiftung „Erinnern und ermöglichen” vom Unterneh­merehepaar Roswitha („Meine Eltern wohnten an der Weve­linghover Straße in Lobberich") und Erich Bethe unterstützt sol­che Fahrten. Möglichst jeder Schüler in Nordrhein-Westfalen soll die Möglichkeit haben, die Gedenkstätte Auschwitz zu besuchen. Seit der Gründung sind mehr als 6.000 Jugendliche mit Unterstützung der Stiftung nach Auschwitz gereist.

Julietta Breuer, die den Ge­schichtskurs der Gesamtschule in Breyell begleitete, betont: „Die Idee kam von den Schü­lern!” NRW-Bildungsministe­rin Sylvia Löhrmann, die mit Schülern einen Kranz niederlegte, betonte, für solche Besu­che sei eine pädagogische Vor- und Nachbereitung notwendig. Genau das bewiesen die Nette­taler, die sich u .a. auch in Net­tetal bei dem Projekt Stolper­steine in Kaldenkirchen einge­bracht haben und sich um ein Mahnmal am Standort der Syn­agoge in Breyell einsetzen.

Zum Foto: Betroffene Schüler beim Besuch der Gedenkstätte in Auschwitz.

 

Tief beeindruckt vom Erlebten zeigten sich die Schüler aus Nettetal. DIE GRENZLAND-NACHRICHTEN hörten sich um:

Meike Niemeyer. „Als ich durch das Tor ging mit der Auf­schrift „Arbeit macht frei” hatte ich ein sehr beklemmendes Ge­fühl. Es war so erdrückend.”

Simon Erkens: „Die haben die Menschen nicht nur einfach ermordet, sondern immer wieder die Menschenwürde ge­nommen, indem sie sie vor der Ermordung haben ausziehen lassen. Warum musste man Menschen noch demütigen, die sowieso für den Tod bestimmt waren?”

Ann-Christin Steindl: „Man muss echt mit den Tränen kämpfen, denn die ehemaligen KZ-Opfer waren so wie wir. Es hätte jeden von uns treffen kön­nen.”

Tasmin Hendricks: „Wenn Un­recht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht! — das ist meine Antwort, wenn mich je­mand fragt, warum ich nach Auschwitz fahre. Und dann kam der Raum, der voll mit Zöpfen war. Mein Herz hat so schnell geschlagen und man konnte an den Gesichtern der anderen sehen, dass das sie auch am meisten getroffen hat­te. Es war wie in einem Horrorfilm - ein verdammt echter Film.”

Oliver Tilch: „Ich finde es perfide und erschreckend, mit wel­cher Normalität dieser Massenmord vonstatten gegangen ist. Man muss dem Grauen ins Ge­sicht schauen, damit man daraus lernen und Vorkehrungen treffen kann, damit sich derarti­ge Geschehnisse nicht wiederholen.”

Ann-Christin Steindl und Magda Pola: „Erst vor Ort wird einem bewusst, was für ein schreckliches Verbrechen be­gangen wurde und in welchem Ausmaß es endete. Leider ist dies heute sehr vielen Men­schen gleichgültig oder nicht präsent und genau das muss man ändern.”

Nicole Siegmund: „Es gibt tatsächlich noch Menschen, die Auschwitz nicht kennen.”

 

Quelle: Grenzland-Nachrichten, 14.02.2013

Nachrichten-Archiv 2013


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