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RP: Schüler üben Umgang mit Behinderung

In einer Projektwoche setzen sich Sechstklässler der Gesamtschule Nettetal mit dem Thema Handicap auseinander.

Justin steht an einer Ampel, vor ihm rauscht der Verkehr vorbei. Seine Augen sind von einem Schal verdeckt. Als das Signal grün zeigt, rufen ihm seine Klassenkameraden David und John Anweisungen zu: "Jetzt los!", "Geh geradeaus!" Zögernd bewegt sich Justin auf die andere Seite der Schaager Straße zu und erreicht schließlich den Bürgersteig.

Was wie ein Spiel anmutet, hat einen ernsten Hintergrund. Die sechsten Klassen der Gesamtschule Nettetal beschäftigten sich eine Woche lang mit dem Thema "Leben mit Handicap". Dabei versuchten sie auch, mit einer nachempfundenen Seh- oder Gehbehinderung Alltägliches wie den Einkauf beim Bäcker oder den Gang über eine Straße zu meistern. "Das war ganz schön irritierend. Ich wusste nicht genau, wo die Straße ist und habe nur den Wind gespürt", sagte Justin, nachdem er "blind" seinen Weg über die Straße gefunden hat.

Der Ausflug war ein nur ein Teil der viertägigen Leseprojektwoche der 6. Klassen. Neben dem Anliegen, das Verständnis für Menschen mit Behinderung zu stärken, verfolgten die Lehrer ein zweites Ziel: Die Kompetenz im Umgang mit Sachtexten sollte verbessert werden. Dafür arbeiteten die Kinder mit einer Mappe mit Texten, zum Beispiel über das Leben von Margarete Steif, der gehbehinderten Gründerin des gleichnamigen Spielwarenherstellers.

Zum Foto: Wie schwierig es sein kann, mit einer Geh- oder Sehbehinderung alltägliche Dinge zu erledigen, merkten die Sechstklässer der Gesamtschule Nettetal bei einer Übung während der Projektwoche. Foto: Franz-Heinrich Busch

Zur Leseprojektwoche gehörten auch Exkursionen zu Einrichtungen in der Region, die von behinderten Kindern Jugendlichen oder jungen Erwachsene besucht werden. Unter anderem ging es zur Jugendherberge in Hinsbeck, zum integrativen Kindergarten des DRK in Kaldenkirchen sowie zum Freilichtmuseum Dorenburg in Grefrath. Dabei kamen die Schüler mit den Behinderten ins Gespräch. "Wenn ihnen jemand sagt: ,Du bist behindert' empfinden sie das als Beleidigung", erzählte Mohammed aus der 6 a. Seine Klassenkameraden berichten davon, dass sie beim Rollentausch zwar Hilfe von Passanten bekommen hätten, doch auch Ablehnung und beleidigende Kommentare habe es gegeben.

An der Gesamtschule Nettetal hat Inklusion eine gewisse Tradition. Seit 13 Jahren gibt es Klassen, in denen behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam lernen. "Da lag die Beschäftigung mit dem Thema auf der Hand", sagte Barbara Boyxen, Klassenlehrerin der 6 a, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Daniela Nittner die Leseprojektwoche gestaltet hat. Neben dem sechsten Jahrgang hatten auch die fünften Klassen ein eigenes Projekt. Vor den Sommerferien soll sich zudem das neunte Schuljahr in einer Leseprojektwoche mit dem Thema Zeitung beschäftigen. "Eine Ausweitung bis zur zehnten Klasse ist vorgesehen", sagte Barbara Boyxen.

Die Schule

  • Die Gesamtschule Nettetal gibt es seit 1992
  • Schülerzahl rund 900 (Sekundarstufe I und II)
  • Personen An der Schule arbeiten rund 80 Lehrer, zwei Sozialpädagogen, fünf Sonderpädagogen, acht Integrationshelfer sowie rund fünf Lehramtsanwärter.
  • Geschichte Im vergangenen Jahr feierte die Gesamtschule ihr 20-jähriges Bestehen. Die Schule an der der Von-Waldois-Straße nahm zum Schuljahr 1992/93 ihre Arbeit auf.
  • Internet www.ge-nettetal.de

Quelle: rp-online

 

 

 

 

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