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RP: Erinnerung an Unfälle lässt nicht nach

Nettetal (RP). Polizisten und Sanitäter berichten im Projekt Crash-Kurs Gesamtschülern über ihre grausamen Erlebnisse auf Straßen.

Das Gemurmel in der Mensa der Gesamtschule wich blankem Entsetzen. Die Bilderfolge eines schweren Unfalls mit einem Lkw im Kreis Viersen sorgte schnell für betretene Stille. Denn unter dem Führerhaus stand ein fast plattgewalzter Kleinwagen. Nicht weniger eindrucksvoll erwiesen sich Fotos eines Unfalls, beim dem sich ein Auto um einen vergleichsweise kleinen Baum gewickelt hatte.

Polizei und Rettungssanitäter besuchten im Rahmen des Landesprojekts Crash-Kurs die Gesamtschule. Ihre persönlichen Geschichten hinterließen bei den Schülern sichtlich Eindruck. Der Ablauf war klar strukturiert: Es wurden Unfallbilder in der voll besetzten Mensa gezeigt, alle natürlich ohne Blut oder Unfallopfer. Es folgte ein kurzer Film einer Unfallzeugin. Anschließend berichteten drei Polizisten und zwei Rettungssanitäter über Unfälle, bei denen sie helfen mussten. Einige fanden ein glückliches Ende, meist aber waren Toten und Schwerverletzte zu beklagen.

"Ich habe es heute noch vor Augen: Der junge Fahrer saß hinten rechts und sah aus wie ein alte Frau", schildert Thomas Küppenbender einen Unfall, bei dem ein Fahrzeug gegen einen Baum geprallt war. Der Polizist Uli Nisters berichtete von einem Unfall, bei dem ein Auto an den Breyeller Peschen vom Bordstein in die Krone eines Baumes katapultiert wurde. "Das wird für immer in meinem Kopf bleiben, weil ich dort täglich zu Arbeit fahre und mein Blick automatisch in den Wald geht." Besonders bewegend war der Appell von Rettungsassistent Dirk Sönges, auf das Handy beim Fahren zu verzichten, er habe bereits dem Sarg seiner Tochter folgen müssen. Einige Schülerinnen brachen daraufhin in Tränen aus. "Das Schlimmste jedoch ist nicht der Unfall, sondern die Überbringung der Todesnachricht", sagte Küppenbender. Seine Kollegen nickten zustimmend.

Zum Foto (Busch):Der Crash-Kurs ist hart. Manche Schüler konnten ihre Tränen nicht zurückhalten, andere mussten die Mensa sogar verlassen. Foto: Busch

 

Der Crash-Kurs ist hart. Jugendliche, die die Bilder und Schilderungen nicht ertrugen, konnten die Mensa verlassen. Sie wurden draußen betreut. "Das ist eine unserer Vorgaben", betonte Martin Gennert von der Verkehrsunfallprävention. "Wir geben den Schulen klare Vorgaben, die erfüllt werden müssen." So darf der Unterricht nicht nach dem Crash-Kurs enden. Die 18- bis 24-Jährigen sollen nicht aufgewühlt in Autos steigen und wegfahren.

Anschließend treffen sich alle Protagonisten zu einer Nachbesprechung. Sie sprechen über Erinnerungen an Unfälle, die sie immer noch beschäftigen. Auch die Schule wird mit den "Schülern im Unterricht noch eine Nachlese machen", erklärte Lehrerin Julia Scheytt. Für die Organisatoren und Beteiligten von Crash-Kurs ist dies wichtig, denn das Projekt wird wissenschaftlich von der Uni Köln ausgewertet. "Wenn wir so einen Unfall in der Schülergruppe verhindern, haben wir schon gewonnen", so Gennert.

Crash-Kurs

Gemeinsames Projekt zweier Ministerien

Crash-Kurs Ist ein Projekt, das das Innen- und Schulministerium gemeinsame landesweit zur Prävention ausrichten. Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 18 bis 24 Jahren. Sie stellen mit einem Viertel der Verkehrstoten bei nur 8 Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung die größte Anzahl unter den Opfern. 62 Prozent sind Alleinunfälle, sie finden alleine, ohne Zeugen oder erkennbare Fremdeinwirkung statt.

Philipp Peters (RP)

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