Zum Artikel springen
Zur Navigation springen


Artikel überspringen — Artikel

RP: Eine ganze Stadt bricht auf zur Inklusion

Die Haupt- und die Realschule richten im neuen Schuljahr integrative Fördergruppen ein. Dies entlastet die Gesamtschule, die seit 2000 bereits behinderte Kinder unterrichtet. Erstmals werden solche Kinder nicht abgewiesen.

Die Stadt Nettetal und ihre Schulen gehen jetzt konsequent den Weg in die Inklusion. Die Hauptschule und die Realschule in Kaldenkirchen nehmen im neuen Schuljahr Kinder mit Behinderungen in sogenannten integrativen Lerngruppen auf. Beide Schulen haben sich dafür ausgesprochen. Wichtig ist, dass die Comeniusschule (Förderschule Lernen) sich aktiv in diesen Prozess einbringt.

Bis zuletzt hatten Verwaltung, Politik, Schulaufsicht und Kollegien um den richtigen Weg gerungen. Am Tag vor der Sitzung des Schulausschusses einigten sich alle auf einen gemeinsamen Weg. Damit können im Sommer 22 behinderte Kinder in Nettetaler Regelschulen aufgenommen werden. Zwei Kinder mit Einschränkungen besuchen dann übrigens auch das Werner-Jaeger-Gymnasium.

Zum Foto: gemeinsamer Unterricht in der 9. Klasse in der Gesamtschule in Breyell: Förderschullehrerin Hannelore Kleinikel (vorne) und Ulrike Stroot arbeiten gemeinsam. Foto: Busch

Der Integrationsweg in Nettetal hatte 1991 begonnen, als die Stadt auf Bitten von Eltern den damaligen eigenen Kindergarten "Purzelbaum" in Kaldenkirchen mit einer integrativen Gruppe ausstattete. Eltern erreichten auch, dass ab 1995 der Gemeinsame Unterricht (GU) an der Gemeinschaftsgrundschule in Kaldenkirchen begann. Im Jahr 2000 folgte die Gesamtschule mit einer sonderpädagogischen Fördergruppe – immer handelte es sich um geistig behinderte Kinder. Eine weitere Sonderpädagogische Fördergruppe gab es danach für einige Jahre an der Hauptschule in Kaldenkirchen. Die jämmerliche Ausstattung mit Förderschullehrern führte dazu, dass die Schule die Gruppe gerade auch mit Blick auf die behinderten Kinder auslaufen ließ. Auf den Weg in die Inklusion machte sich dann aber die katholische Grundschule Hinsbeck, in der zurzeit 28 behinderte Kinder unterrichtet werden.

Damit wuchs der Druck, eine Lösung an den weiterführenden Schulen zu finden. Denn Jahr für Jahr gab es ein großes Drama: Die Gesamtschule konnte immer nur fünf behinderte Kinder aufnehmen. Die anderen blieben ausgeschlossen, ihre Eltern mussten zusehen, wo sie mit ihren Kindern blieben.

"Wir sind sehr erleichtert, diese Lösung gefunden zu haben", bekannte Bürgermeister Christian Wagner nach der einstimmigen Entscheidung des Rates am Donnerstagabend. Maßgeblichen Anteil hatte nach Angaben von Schuldezernent Armin Schönfelder die Gesamtschule, deren Leiter Roland Schiefelbein unermüdlich um mehr Plätze geworben hatte. Wichtige Impulse kamen dann von der Comeniusschule. "Wir wissen, dass wir unsere Schule nicht halten können. Wir stemmen uns nicht gegen Unaufhaltsames, sondern wollen diesen Weg aktiv mitgestalten", erklärte Schulleiter Konrad Wilms.

Bedenken im Lehrerrat rühren daher, dass die Förderschullehrer nicht "ambulant" eingesetzt werden möchten, sondern Teil eines Kollegiums werden wollen. Die Verteilung von Förderschullehrern auf einzelne Schulen wird daher zweifellos noch zu Diskussionen führen. Schönfelder unterstrich aber, dass die Stadt als Schulträgerin alle Möglichkeiten ausschöpfen wird, die integrativen Fördergruppen von Beginn an zu unterstützen. "Das kostet Geld, aber das ist es uns wert", sagte Schönfelder.

Vorteile für alle

Komplizierte Arithmetik für Lehrerstunden

Gesamt-, Haupt- und Realschule können jeweils eine integrative Lerngruppe mit jeweils drei lernbehinderten Kindern bilden. Dafür bekommen sie jeweils 7,8 Lehrerstunden dieser Richtung. Die Gruppen werden aufgefüllt mit Kinder, die andere Behinderungen haben und ebenfalls einen Bedarf an Förderlehrern ihrer Richtung. Vorteil dieser Regelung für alle Schulen: Es erhöht sich auch die Stundenzahl der Regelschullehrer.

VON LUDGER PETERS, RP-online, 16.03.2013, Quelle: RP-online.de

Nachrichten-Archiv 2013


nach oben springen