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RP: Ein Feingefühl für Sprache

Nettetal (RP) Die Gesamtschule Nettetal kooperiert mit der Technischen Universität Dortmund. Zwei Doktorandinnen beobachten den Chemie-Unterricht in vier Klassen. Ihr Ziel: Alltagssprache durch korrekte Fachbegriffe zu ersetzen.

In Zeiten, in denen promovierte Politiker sich Plagiatsvorwürfen in ihren Doktorarbeiten ausgesetzt sehen, ist es besonders interessant, Doktoranden bei der Arbeit zuzusehen. Wer es ernst mit der wissenschaftlichen Karriere meint, hat sehr viel Arbeit.

Die Gesamtschule Nettetal ist eine Kooperation mit der Technischen Universität Dortmund eingegangen. Hanna Busch arbeitet gerade an ihrer Doktorarbeit und sammelt Informationen unter anderem an der Gesamtschule. Unterstützt wird sie von Sabine Bläsing. Sie sitzt an ihrer Masterarbeit und will ebenfalls Daten und Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung verarbeiten.

Zum Foto: Experimente: Wissenschaftlerin Hannah Busch (2. von rechts) mit Schülern im Chemieraum.

 

Beide untersuchen in ihrem Projekt die Sprachförderung im Chemieunterricht, dazu sind sie auf Unterstützung aus dem Kollegium angewiesen. Die Fachlehrer Holger Wildemann, Veronika Wolters, Thomas Schulz und Johann Macizonek sowie deren Klassen werden von ihnen begleitet und beobachtet.

Ziel ist es, die Alltagssprache im Unterricht durch fachlich korrekte Sprache zu ersetzen und ihre richtige Anwendung zu schulen. "Wir haben viele Schulen angeschrieben. Von einigen haben wir gar nichts gehört", erklärt Busch auf dem Weg zum Chemieraum. "Überwiegend beobachten wir wegen der Nähe Schulen im Dortunder Raum, aber uns freut, dass sich hier gleich vier Lehrer bereiterklärt haben."

Im Unterrichtsraum hängt ein Plakat, auf dem die Herangehensweise für fachlich richtige Versuchsprotokolle erklärt wird. Die Schüler lernen dies anhand von Lückentexten und anderen Übungen. Für Chemielehrer Wildemann ist das Projekt ein Erfolg für ihn als unterrichtenden Lehrer und die Schüler: "Die Protokolle zu den Versuchen werden schneller erstellt, und die Schüler achten inzwischen gegenseitig auf die korrekte Fachsprache. Sie weisen sogar vortragende Schüler auf Fehler hin."

Somit bekommen die Schüler ein Feingefühl für die Sprache. Sie können ihre Erkenntnisse auch in anderen Fächern anwenden. Zudem werde das Fach Chemie anders wahrgenommen, berichtet Wildemann. Die Schüler selbst sehen ebenfalls Vorteile in der angewendeten Methodik. In einem Interview für die Doktor- und Masterarbeit schildern sie, was sie gut finden an Arbeitsblättern und Schulbuchtexten, und was ihnen weniger gefällt.

Dabei kommen sie zu ähnlichen Erkenntnissen wie ihr Lehrer. Auch sie sehen eine Verbesserung des Unterrichts durch die Arbeitsweise. Das gilt gerade auch für eine Schülerin aus der integrativen Klasse der Gesamtschule, weil so die schwächeren Schüler besser vermittelt bekommen, was sie tun müssen und auch die Anwendung von Fachsprache leichter verstehen.

Info

Experimente

TU-Labor Die Schüler können im Rahmen des Projektes auch Experimente in den Laboren der Universität Dortmund machen.

Doktorarbeit Hannah Busch arbeitet seit zwei Jahren an ihrer Doktorarbeit. Sie sammelt unter anderem Aussagen und Fragebögen von Fachlehrer und Schülern, um ihre Ergebnisse wissenschaftlich korrekt zu belegen.

Nachrichten-Archiv 2011


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