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GN: Anstöße für eine neue Lernkultur

Bei einem Workshop in der Gesamtschule erarbeiteten Schüler, Eltern und Lehrer zusammen mit Experten Prototypen für ein verbessertes Miteinander.

Freiwillige Überstunden der besonderen Art leisteten nicht nur Lehrer am letzten Wochenende: Zwei Tage lang brüteten und tüftelten Lehrende und Lernende der Städtischen Gesamtschule zusammen mit Eltern über Anstöße für Verbesserungen in der Lernkultur. Hilfreich zur Seite standen ihnen Referenten der Initiative Neues Lernen e.V., die den so genannten Anstoß-Workshop durchführten.

„Ich bin wohl noch einige Jahre auf dieser Schule, und so gut es auch läuft, so ist mir doch wichtig, dass wir zusammen noch besser werden“, formulierte Leon. Der 14-jährige Achtklässler gehörte zu den Schülern, die sich einbrachten in den Workshop. Und die sich unter anderem den Kopf darüber zerbrachen, wie ein Zeugnis für Lehrer aussehen könnte: Die Note „Vorbildlich“ sage mehr aus über einen Lehrer als die üblich Schulnote „gut“, meinte Leon.

Zeugnisse für Lehrer, ein Sorgen-Telefon zum Thema Mobbing und faire Kommunikation gehören zu den „Prototypen“, die im Workshop entwickelt wurden und die die Schule voranbringen sollen: „Wenn wir innovativ und flexibel sein wollen, um uns ständig zu verbessern, dann müssen wir immer wieder bei Null anfangen, dürfen uns nicht ausruhen auf Erreichtem“, führte Lehrerin Julietta Breuer aus.

Innovativ und kreativ wollen die Lehrer, Schüler und Eltern also sein. Genau aus diesem Grund bewarb sich die Gesamtschule um den Workshop: „Lust am Lernen in einer neuen Lernkultur“ nannte Andrea Hammerbach vom Didaktischen Ausschuss der Schule als einen der Gründe für die Bewerbung. Was die Berliner Initiative Neues Lernen e.V. überzeugte: Die Gesamtschule gehörte zu den drei Schulen in Deutschland, die solch einen zweitägigen Workshop im Wert von 5.400 Euro gewannen.

In der Initiative Neues Lernen arbeiten Fachleute aus verschiedenen Bereichen, von Schule bis Wirtschaft, zusammen (www.initiative-neues-lernen.de). Sie bieten Schulen Workshops an, um Kreativität in der Lernkultur zu fördern, indem sie etwa zu Wertschätzung, Fairness und Begeisterung anregen.

„Voraussetzung ist, dass Schüler, Lehrer und Eltern  sich gemeinsam einbringen, am besten etwa sieben aus jeder der drei Gruppen“, erläuterte Anne Berger von der Initiative Neues Lernen.So gab’s zwei Tage lang in Kleingruppen Diskussionen und Rollenspiele. Häufiger Tenor: Verständnis aufbringen etwa für einen Lehrer, der sich wenig zugänglich zeigt: „Er könnte ja zuhause Probleme haben“, vermutete eine Schülerin. Ähnlich bei Mitschülern - nach Gründen suchen, warum die einen die anderen mobben - und nach Lösungen.

Berger zeigte sich beeindruckt von den Verhältnissen in Breyell - und meinte damit nicht die vorbildliche Umsetzung der Inklusion oder die beispielhafte Zusammenarbeit mit der Wirtschaft: „Es fällt angenehm auf, wie ernsthaft, offen und vor allem fair Schüler und Lehrer miteinander umgehen, das erlebt man selten, hier ist schon etwas gewachsen.“

Manches an Arbeitsergebnissen werde sich im Alltag umsetzen lassen, meinte Hammerbach: „Es könnten zum Beispiel Schüler jeweils dann ihre Mathearbeit schreiben, wenn sie ein Thema verstanden haben, und nicht nach einem starren Zeitplan.“ Ansonsten gehe es mehr um Anstöße, um Prototypen für ein kreatives Miteinander weiter zuentwickeln. Am heutigen Dienstag, so Hammerbach, „werden einige Schüler in der Lehrerkonferenz ihre Prototypen vorstellen“.



In kleinen Gruppen wurden zahlreiche für die Schüler wertvolle Themen besprochen. Foto:
Joachim Burghardt

 

Quelle: Grenzland-Nachrichten, Freitag, 29. August 2014 / Nr. 35, S. 11: "Anstöße für eine neue Lernkultur"

Nachrichten-Archiv 2014


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