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Generalprobe der "Showkoladen" (GN)

Ach, könnte man doch noch einmal Schüler sein. Es herrscht aufgeregtes Treiben und eine positive Nervosität bei der Generalprobe zur diesjährigen Schulaufführung der 13. "Schowkoladen" der Gesamtschule Nettetal unter dem Motto "Menschen und Kultur". Rund 200 Schülerinnen und Schüler kümmern sich um Darstellung, Beleuchtung, Technik, Bühne und Sound. Alle geben ihr Bestes an diesem Abend. Sogar einige Mütter engagieren sich beim Schminken der Kinder oder kümmern sich darum, dass alles hinter der Bühne glatt läuft.

Auf der Bühne - genau so muss das bei einer Generalprobe auch sein - ist jedoch nicht immer alles, wie es zur Aufführung sein sollte. Manchmal stockt die Musik, ein Einspieler für die Leinwand kommt verspätet, die Mikrophone fallen aus, die Off-Sprecherin verspricht sich oder die Kinder und Jugendlichen kommen zu spät auf die Bühne. Aber sowohl die sehr engagierten Lehrer, als auch die Schüler gehen damit professionell und gut gelaunt um. Der positive Geist, der bei der Probe herrscht, ist fast körperlich greifbar.

alle Fotos: Julietta M. Breuer

 

Körperlich, so ist auch häufig das Programm der künstlerischen Leiterin Kathrin Goller (Lehrerin für "Darstellen und Gestalten"). Es startet mit der Frage "Was ist eigentlich Kultur?" und regt somit zum Nachdenken an. Die Lehrerin ist fest davon überzeugt, dass diese Arbeit für die Schüler persönlichkeitsfördernd ist und sie "im späteren Leben keine Angst haben werden, vor größeren Gruppen zu sprechen". Man glaubt ihr sofort.

Die Schulband "Radioaktive" spielt ihr erstes Lied (weitere werden im Laufe des Abends folgen), bei dem die wunderbare Stimme der Sängerin Fortini auffällt. Ihr Talent zeigte sich auch schon anderen, denn ihr Gesangsunterricht wird seit 6 Monaten finanziell gefördert durch den Lions Club. Die weiteren Mitglieder der Band: Malin (Gesang), Sophia und Maxi (Gitarre), Viktoria (Bass), Philipp (Keyboard) und Robin (Schlagzeug) setzen ihre Stimmen und Instrumente äußerst professionell ein. Aus der Schulband ist übrigens Timo Tiggeler hervor gegangen, der 2013 bei DSDS unter die letzten 10 kam.

Eine wirklich eindrucksvolle Darstellung war der Auftritt der "Fizzli-Puzzlis", es sind Jugendliche in sogenannten "Tanzsäcken". Darin verschwinden die Kontouren der Menschen; die Darsteller sind - zu Anfang - einheitlich Blau (z. B. Mara, die sich später verwandelt, Bahar als "Rote", Adriana als "Gelbe"). Angelehnt ist das Stück an das Buch "Im Blauland". Zwischendurch wird die Frage aus dem Off (Vorleserin: Esma) in den Raum geworfen "Ist es Zauberei, wenn neue Farben entstehen, weil sie sich lieb haben?", deshalb, weil der Farbenkönig ihnen Farben schenkt, damit es nicht mehr so langweilig ist. Es geht also um Toleranz und Miteinander, wie man Andersartigkeit sieht und schließlich zulässt und wie man Streit schlichtet. Zum Schluss werden die Freundschaft und Liebe über Angst und Ausgrenzung siegen und die Fizzli-Puzzlis erkennen, dass alle Streitigkeiten einfach zu lösen sind. Wenn man denn möchte.

Immer wieder hört man "Ruhe" oder "Schhhh", damit die Darsteller sich konzentrieren können. Nach jedem Auftritt brandet Applaus der Schüler auf, die gerade Pause haben und im Publikum sitzen, um nur ja nichts zu verpassen.

Dann kommen die sechs "Spagatwunder" (Kyra, Maya, Adriana, Zoe, Vici, Jana), die mit roten Lippen souverän und lässig (trotz Musikunterbrechung) ihre Körper verbiegen und in einer menschlichen Pyramide enden.
Im weiteren Verlauf des Programms wird "Afrika" der Klasse 5e gezeigt: ein Tanz von 12 Kindern in bunten Kostümen und bemalten Gesichtern (und der gigantischen, völlig überhöhten, Afro-Perücke eines Jungen), von 18 Trommlern bzw. Musikern begleitet. Einige Kinder (auch der lässige Perücken-Junge) spielen in ihrer Freizeit im Jugendtheater Grefrath mit; von denen wird man ja vielleicht an anderer Stelle noch etwas hören.

Sehr interessant war außerdem die Darstellung "Angst", in der ernsthafte junge Menschen ganz in Schwarz gekleidet über die Bühne gingen, standen, sich wie Roboter setzten und auf einer kleinen Erhöhung ihre eigenen, teils philosophischen, Texte sprachen. Es war im positiven Sinne etwas verstörend, sie erhielten keine vorgegebenen Worte, da das "ja genau das Interessante" sei, sagte ihr Lehrer Galal Marzouk (der auch der Leiter der Band ist). Der Fachbegriff dafür ist biografisches Theater. Die Schüler seien viel authentischer, wenn sie frei sprächen. Was ihnen in der Tat gut gelungen ist.

Ansonsten gab es noch 4 Mädchen, die eine Performance auf "Lieblingsmensch" zeigten, den Bollywood-Tanz (von Maya, Aileen, Sina, Carmen, Janine und Alina), Darstellungen zur Musik von Andreas Vollenweider, der Literaturkurs zeigte sein Können, den Song "Easy", Texte zur "Hochzeitsgesellschaft", Gesang von Maite und Rieke. Alle, wirklich alle, haben sich bei der Generalprobe so richtig ins Zeug gelegt und machten sicherlich auch zur offiziellen Aufführung am vergangenen Wochenende sich selbst, ihren Lehrern und ihrer Schule alle Ehre.
Ach, könnte man doch noch einmal Schüler sein. Schüler auf dieser Schule.

Michaela Schneider-Mestrom

Grenzland-Nachrichten, 17.03.2016

 

Foto: Die Fizzli-Puzzlis: Einzelne fremde Farben sind schon sichtbar

Nachrichten-Archiv 2016


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