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Fortbildungsabend der Gesamt- und Realschule (GN)

Im Rahmen der Kooperation der städtischen Gesamtschule und der städtischen Realschule haben beide Schulen interessierte Eltern der jetzigen und kommenden Jahrgänge fünf am Mittwoch, 24. Februar in die Realschule eingeladen zu einem Vortrag „Das Lernen lernen“, dies in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein LVB Lernen e.V. Der Verein Lernen e.V. ist ein Zusammenschluss von verschiedenen Personen aus dem Bildungsbereich, die sich gemeinnützig für eine bessere Bildung einsetzen möchten. An diesem Abend waren rund 150 Eltern erschienen und wie die Referentin des Abends, Frau Dagmar Bahners, Düsseldorf, positiv anmerkte, waren auch relativ viele Väter anwesend. Die Organisation des Abends oblag dem Didaktischen Leiter der Gesamtschule Gérard Terfloth und der stellvertretenden Leiterin der Realschule Nadine Maaßen.

Die Referentin hatte den Vortragsabend in zwei Teilen aufgegliedert. Sie erklärte im ersten Teil Lerntechniken und begann mit einer Interaktion mit dem Publikum. Es sollte sich eine kurze und dann eine lange Zahlenreihe gemerkt werden, das erzeugte natürlich viele Lacher, weil man sich selbst bei der Lösung überrascht fühlte. Danach wurden die Eltern aufgefordert zwei Fäuste zu machen und zusammenhalten und die Referentin erklärte „so groß nur sei unser Gehirn“. Spannende Fragen gab es bei der Aussage, wie schaffen wir es, zu lernen, zu behalten? Wie viele Informationen können wir aufnehmen? Wie können wir vom Ultrakurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis speichern? Hierzu erklärte Dagmar Bahners, „zwei Gehirnhälften muss man sich vorstellen – Links: Analyse, Logik, Mathe, Grammatik und die rechte Seite mit Kreativität, Visuelles, Fantasie, Assoziationen“.  Beifällig nahmen die Eltern auf, dass das Gehirn eine riesige Lagerhalle ist mit zig-Informationen drin. Provokatorisch wurde die Frage gestellt „wie finden wir diese wieder?“ Kommt es auf die richtige Strukturierung an, ansonsten, mir liegt es auf der Zunge – und ich finde die Information nicht. Das Gehirn arbeitet ökonomisch, nach 20 Sekunden vergisst es. 50 Vokabeln sind eine Überforderung und die muss man reduzieren. Äußerst wichtig dabei ist, das Wiederholen und zwar jeden Tag und nicht länger als 10 Minuten. Es wird angeraten, nach dem Lernen auch 20 Minuten keine Fernsehsendungen anzuschauen oder sich mit dem Computer zu beschäftigen, sonst kann es zu einer Reizüberflutung kommen und vieles wird vergessen. Besser ist es, eine Pause einzulegen und sich zu entspannen. Einen Tipp gab es für die Eltern auch mit Aussagen an die Kids „morgen bei der Mathearbeit brauchst du keine Angst zu haben, sondern: Du hast zehn Aufgaben und heute acht geschafft, kannst also beruhigt in die Schule gehen und dabei immer positiv loben: Nicht zwei Aufgaben waren falsch, sondern acht Aufgaben waren richtig“.

Fotos: Julietta M. Breuer

Nach einer Pause ging es dann über zum zweiten Teil des Vortrags, der sich mit den Lerntypen beschäftigte. Erfahren konnte man, dass es vier Lerntypen gibt, darunter logisch-abstrakter, sicherheitsliebender, kreativ-chaotischer. Bei der Beschreibung des kreativ-chaotischen Lerntyps kam Heiterkeit auf, denn ein Blick auf die Ordnung im Kinderzimmer genüge eigentlich, um diesen Lerntyp festzustellen.  Das sind die „Meister der guten Vorsätze“, die sie aber nie einhalten können, sie seien einfach „Last-minute-Lerner“ und der Spaßgedanke stünde immer im Vordergrund. Der Tipp an die Eltern dazu: Unbedingt Strukturen lernen lassen, unbedingt mit Belohnungen ködern. Strukturen sind erkennbar an einer ordentlichen Heftführung, immer wieder ordentlich unterstreichen lassen und Absätze einhalten. Darauf sollten die Eltern achten, um ihr Kind fördern zu können. Die Referentin hat auch kurze Videofilme eingespielt zum Beispiel um anschaulich zu vermitteln, wie man eine Struktur in unregelmäßige englische Verben reinbringen kann. An die Eltern wurden dann Zettel ausgegeben, die in zwei Minuten zwanzig Namen auswendig lernen sollten. Bei einer Gruppe funktionierte das ausgesprochen gut, bei der anderen Gruppe allerdings war es viel schwieriger, die mit unsortierten Namen arbeiten sollte. Dagmar Bahners ging auch auf die vielen rechtschreibschwachen Schüler/innen ein. Dabei wurde unterschieden mit ernsten Fällen der Leserechtschreibschwäche aber auch mit der Gruppe der Rechtschreibschwachen, denen man nur mit der Methode, sich Wörter visuell einzuprägen, gut helfen kann.

Zum Schluss wurde dann noch über die Wirkung des Vortrags diskutiert, wobei einige Zitate von Eltern aufgefangen wurde so u.a. von Stefan Gerhards, der meinte „wir konnten unsere Kinder, so wie wir sie im täglichen Leben erleben, bei den vier Lerntypen richtig gut wiederfinden. Was aber das Beste war: Das man wirklich merkt, wo die Unterschiede im Lernen zwischen den einzelnen Kindern liegen“.

Jürgen Heyer meinte dazu „ der Vortrag war überhaupt nicht langweilig, sondern sehr informationsreich und interessant. Durch die ganze Interaktion war es spannend“.
Und zuletzt noch Silke Heyer-Potdór: „man hat seine Kinder wiedergefunden. Man merkte genau, dass in jedem Kind schwerpunktmäßig ein bestimmter Lerntyp steckt, aber in jedem Kind auch immer etwas von den anderen Kindern drinsteckt. Gut auch, Feedback zu bekommen, dass vieles, was man schon von alleine aus macht, das Richtige ist. Bei uns zu Hause im Badezimmer hängen beispielsweise auch Lernzettel mit dem Einmaleins, mit den Regeln für das Bruchrechnen oder ähnliches“.

Aber auch die Leiter/in der Schulen äußerten sich und so bemerkte der Leiter der Realschule Nettetal, Joachim Sczyrba, „das Lernen wird leider allzu oft mühsam und belastend erfahren. Dabei fehlt es manches Mal nur an den notwendigen Hilfsmitteln oder Rahmenbedingungen, die zu Hause oder auch in der Schule verbessert werden können, damit das Lernen mit Freude und Erfolg möglich wird“.

Die Leiterin der Gesamtschule Nettetal Angelika Eller-Hofmann meinte zum Vortragsabend: „Gemeinsam mit der Realschule möchten wir eine bestmögliche Bildung aller Kinder hier in Nettetal gewährleisten. Ganz wichtig ist dabei auch die Einbindung der Eltern. Zusammen mit uns Lehrern können sie den Kindern eine wichtige Hilfe beim Lernen sein und die schulische Arbeit unterstützen und flankieren. Das gelingt natürlich umso bessere, je mehr Eltern über die Besonderheiten von Lernprozessen erfahren“.
Beide Schulleitungen aber waren sich am Ende des Vortragsabend einig: Der Abend war ein erfolgreiches Element unserer Schulkooperation. Gemeinsam haben wir alle bei dem kurzweiligen und unterhaltsamen Vortrag eine große Vielzahl von Ideen und Bausteinen kennengelernt, mit denen es uns gelingen kann, jedes Kind seinem individuellen Lerntyp gemäß zu fördern und zu fordern.

Willi Wittmann, Grenzlandnachtichten, 27.02.2016

 

Nachrichten-Archiv 2016


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