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Reich und schön

Der Literaturkurs der Gesamtschule überzeugte auf ganzer Linie

Gleich zwei voll besetzte Abende in der Aula der Gesamtschule in Nettetal-Breyell zeigten das große Interesse an der Aufführung. Die Schüler des Literaturkurses studierten ein Stück ein, das zeigen sollte, dass es nicht reicht, nur reich und schön zu sein.

Eine „Zuschauerin“ verspätete sich und machte mit einem lauten Türknallen auf sich aufmerksam. Sie setzte sich, öffnete eine Tüte Chips und schaute zu.

Fotos von Julietta M. Breuer; weitere Fotos auf unserer Facebookseite

Es war ein Gerüst aufgebaut, von dem sich einer der Protagonisten hinunterstürzen wollte. Dann erschien der Engel, der natürlich dagegen war. Es wurde gesagt, dass es doch zu viele schöne Dinge im Leben gibt, die durchaus lebenswert sind. Der daraufhin erscheinende Teufel (gespielt von Hannah Berten, die am ersten Aufführungstag ihren Geburtstag feierte) war selbstverständlich anderer Meinung.

Dann erleuchtete sich die Bühne und es wurde in eindrucksvoller Weise dargestellt, welche Geschehnisse dazu geführt haben, dass die Schülerin sich das Leben nehmen wollte. Die Schüler zeigten Szenen von Mobbing, Versagen, Rückschläge und Ausgrenzung. Szenen, die sich tagtäglich an deutschen Schulen abspielen und junge Menschen verzweifeln lassen. Sie zeigten aber auch, dass es immer Leute gibt, die zu einem stehen und zu jemandem halten, wenn es mal nicht so läuft, wie man sich das Leben vorgestellt hat. Während der Lehrer (Thomas Christians) den jungen Leuten vorwirft, dass sie eh keine Chance im Leben haben, so machte die Referendarin Frau Walden (Pia Hantel) den jungen Leuten Mut und sprach ihnen gut zu, dass jeder etwas im Leben erreichen kann. „Big Mac“ (Sascha Reese) war die Schülerin, die sich mehr auf Essen statt auf den Lernstoff konzentrierte (Nach der Aufführung hatte sie vorerst genug vom Fastfood), den Fußballer, der sich verletzte und seine noch junge Karriere an den Nagel hängen musste, dagegen dann die Reichen und Schönen, denen alles zufällt, und die Ausgegrenzten, die gerne Freunde hätten, aber immer nur ausgenutzt und nicht akzeptiert werden.

All dies wurde in dem Stück aufgegriffen und man zeigte dem Publikum die alltäglichen Probleme junger Leute auf. Das Stück endete mit einer Partyszene, wo Schüler fies beleidigt wurden und letztendlich alle springen wollten. Da meldete sich die junge Dame aus dem Publikum, legte ihre Chipstüte zur Seite und forderte ein fröhlicheres Ende. Daraufhin änderten Engel und Teufel das Ende zum Positiven und man tanzte gemeinsam auf den Song „We are all in this together“.

Lehrer Thomas Schulz, der den Literaturkurs leitet, hat die Schüler sehr gut auf das Stück vorbereitet. Das Publikum würdigte die hervorragende Leistung mit lang anhaltenden stehenden Ovationen. Vielleicht wird man ja den/die ein oder anderen Schüler/Schülerin später einmal auf den Brettern, die die Welt bedeuten, wiedersehen.

Michael Rütten,
Grenzlandnachrichten 25/2017, 22.06.2017, S. 9

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