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Muss ein Bühnenkuss echt sein?

Schüler der Nettetaler Gesamtschule und der Venloer Kulturschule Valuascollege führten gemeinsam und erfolgreich in der Werner-Jaeger-Halle Popup-Theater auf. Der Stadt Spiegel war dabei.

von Joachim Burghardt

Nettetal. Wie spielt man einen Spiegel? Und muss ein Kuss auf der Bühne echt sein? Erst etwas unsicher, dann zaghaft, schließlich ziemlich selbstbewusst agierten die jungen Mimen auf der Bühne. Spielten einen Spiegel und zeigten so viel ansteckender Begeisterung, dass die Zuschauer in der Werner-Jaeger-Halle mit kräftigem Beifall dankten und mit Lob nicht sparten. Es hat sich also gelohnt, das Projekt Popup-Theater von Schülern aus Nettetal und Venlo.
„Das ist wirklich allerhand, was die jungen Leute da auf die Beine gestellt haben”, lobte Roger Dick, bei der NetteKultur fürs Projekt zuständig.
Eine Woche lang hatten je sieben 12- bis 14-jährige Schüler der Gesamtschule in Breyell und der Venloer Kulturschule Valuascollege geprobt. Erst bei Piet Nilessen in seinem Theater de Garage in Venlo, schließlich auf der Bühne der Werner-Jaeger-Halle, in der auch vor vielen Besuchern, darunter Eltern, Lehrer und Mitschüler, die umjubelte Aufführung „Popup” stattfand.

Fotos: Carla Dienaar vom Theater de Garage
Aus dem 8. und 9. Jahrgang nahmen folgende Schülerinnen und Schülern teil: Melissa Gahrys, Cedric Hohnen, Alida Lehnen, Melina Rohde, Alessa Stephany, Annika Vaes und Gerad Wald.
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Improvisationstheater also, Stehgreiftheater nach vergebenen Themen oder zugerufenen Stichworten: „Spielt Schneewittchen in zwei Minuten!”, forderte zum Beispiel bei den Proben Theaterpädagoge Dirk Windbergs, der den Workshop leitete, die jungen Schauspieler auf. Die durften sich kurz abstimmen - und mussten dann schnell loslegen, fetzten auf der Bühne spontan einen Freudentanz nach Schneewittchens Erweckung durch einen Kuss. Das funktionierte trotz mancher Sprachbarrieren.
Beim Zuruf „Skippybal” etwa ließ Alina pantomimisch einen Flummiball auf und ab sausen - zur Verwunderung ihrer holländischen Schauspielkollegin Kalijn: Lautes Lachen ob der Aufklärung, dass „Skippybal” auf Deutsch eben Hüpfball und nicht Flummi bedeutet.
„Einige unserer Schüler lernen Deutsch, umgekehrt eher weniger”, erläuterte Ilse Dewael. Für die Lehrerin und Projektleiterin vom Valuascollege war die Sprache nicht entscheidend: „Das fördert ja gerade die jungen Leute, sich verstehen zu lernen auch ohne Sprache.”
Pantomime bedeutete in diesem Fall auch körperlich eine Herausforderung: „In dem Alter, in der Wachstumsphase, mit dem eigenen Körper etwas ausdrücken, das die anderen erkennen, das ist für Jugendliche recht spannend”, sagte Windbergs. Schülerin Melissa bestätigte: „Da wird man irgendwie immer selbstbewusster." Und selbstbewusst, mutig, beinahe wie junge Profis spielten sie tätsächlich nach nur einer Woche Proben. Hatten mit ihrem originellen Improvisationstalent schnell die Herzen der Zuschauer gewonnen. Stellten mit ausgebreiteten Armen einen Spiegel dar. Küssten sich zärtlich und innig - so wirkte es zumindest auf die Zuschauer. Doch der Kuss der beiden Mädchen war nur gespielt, tatsächlich hatte eines der beiden Mädchen eine Hand zwischen die Münder geschoben. Eben doch nur ein Buhnenkuss. Gefördert wurde der grenzüberschreitende Workshop aus Landesmitteln des Projekts Kulturrucksack, das jungen Leuten lebendige Kultur nahebringen soll.

 

Quelle: Stadtspiegel, Nettetal, 26.11.2014

Mit freundlicher Genehmigung des Autors Joachim Burghardt

Vielen Dank!

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