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Mit den Nachbarn in ihrer Sprache reden (RP)

Bianca Lunau hat als erste Gesamtschülerin ein international anerkanntes Niederländisch-Zertifikat erworben. Die Urkunde der belgischen Uni Leuven bescheinigt ihr nach bestandener Prüfung "gesellschaftliche Sprachfertigkeit".
Von Joachim Burghardt

Zuvorkommend und freundlich wird Bianca Lunau in Venloer Geschäften bedient: "Man freut sich, wenn ich als deutsche Kundin Niederländisch spreche", erzählt die 19-Jährige. Niederländisch spricht sie so gut, dass sie als erste Gesamtschülerin ein international anerkanntes Zertifikat erhielt. Vorausgehende anspruchsvolle Prüfungen bestand sie mit Bravour.

Zu den Fotos (alle von Julietta Breuer):
1 bis 2: Sichtlich erfreut war der Niederländisch-Kurs des 13. Jahrgangs der Gesamtschule Nettetal über die kurzweilige Unterbrechung: Schülerin Bianca Lunau, die das erste international anerkannte Niederländisch-Zertifikat erworben hatte, wurde von Reporter Joachim Burghardt fotografiert.
3 bis 4: Dem Fotoshooting ging eine Pressekonferenz voraus, in der Bianca und ihre Niederländischlehrerin Elke Teneyken-Wintzen interviewt wurden.
5: Bianca Lunau, hier mit ihrer Niederländischlehrerin, hält ihr Zertifikat in Händen.
6 bis 7: Im Niederländischkurs des 13. Jahrganges.

 

"Certifikaat Nederlands als Vreemde Tal" ist Biancas Urkunde betitelt, kurz "CNaVT". Dieses "Zertifikat Niederländisch als Fremdsprache" verleiht die Universität Leuven unter anderem in Zusammenarbeit mit der Niederländischen Sprachunion. Und damit alles seine internationale Ordnung hat, basieren Prüfungen und Zertifikat auf Empfehlungen des Europarats. "Das Dokument gilt überall auf der Welt als Nachweis für meine Sprachkenntnisse in Niederländisch", erläutert die Schülerin.

Was aber treibt eine junge Frau an, die "ganz gut in der Schule ist", Reiten und Jogging als Hobbys nennt, in Stufe 13 noch zusätzlich für eine Sprache zu büffeln? Die Sprache liege ihr, sei "schön weich und fließend", sagt Bianca, sie höre Sender aus dem Nachbarland, möchte sich gern mit einem holländischen Familienmitglied "in seiner Sprache" unterhalten. Gute Leistungen im Fach Niederländisch animierten sie, sich für die Prüfung zum CNaVT anzumelden.

Über den Erfolg der angehenden Abiturientin freut man sich - natürlich - auch in der Städtischen Gesamtschule in Breyell: "Wir haben über unseren Förderverein die Hälfte der Prüfungsgebühren übernommen", berichtet Niederländisch-Lehrerin Elke Teneyken-Wintzen. Auch für sie war der CNaVT-Test eine Herausforderung: "Ich musste mich erst zertifizieren lassen, damit ich die Prüfung hier in der Gesamtschule abnehmen konnte." Die Ergebnisse der verschiedenen Aufgaben wurden der Uni Leuven übermittelt, weshalb eine Gesprächssituation als mündlicher Test aufgezeichnet worden war.

Ursprünglich hatten sich noch mehr Schüler in Breyell anmelden wollen. Aber nur Bianca zog das Verfahren durch - und ist froh darüber: "Das ist schon eine Bestätigung, dass man eine Sprache gut kann." Die Kaldenkirchenerin lächelt: "Ik ben erg trots op dat." Zu Recht ist sie "schon stolz darauf". Nach dem Abi möchte sie in den Niederlanden studieren, "wahrscheinlich was Technisches, vielleicht an der Fontys". Solch ein Zertifikat sei dann von Nutzen, meint Teneyken-Wintzen: "Mittlerweile legen die Unis dort großen Wert auf niederländische Sprachkenntnisse ihrer ausländischer Studenten."

Während im Nachbarland unter jungen Leuten kaum mehr Deutsch gelernt wird, sei Niederländisch an deutschen Schulen in der Euregio zunehmend gefragt, auch weil immer mehr Deutsche im Nachbarland studieren wollen. So haben in der Gesamtschule mehr als die Hälfte der Oberstufenschüler Niederländisch als Fremdsprache gewählt - 110 von 218.

Die Lehrerin meint aber auch, man müsse als Deutscher im Nachbarland auch im Alltag zurecht kommen. "Nicht überall wird Deutsch verstanden", weiß sie. Gefragt sei "gesellschaftliche Sprachfertigkeit" - und genau die bescheinigt das Zertifikat der Schülerin Bianca: "Maatschappelijke Taalvaardigheid" steht auf dem Dokument. Fürs alltägliche Miteinander im Nachbarland also ist Bianca bestens gewappnet.

Zur sprachlichen Kompetenz freilich kommt ihre freundliche Art: "Das ist eine Frage der Höflichkeit und des Respekts, dass man als Deutsche dort Niederländisch spricht."

 

 

Quelle: Rheinische Post, C4 Stadt Nettetal, 19. Februar 2015

http://www.rp-online.de/.../mit-den-nachbarn-in-ihrer-sprache-reden...

Nachrichten-Archiv 2015


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