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Kunstprojekt im Atelier van Eyk in Leuth

Ein Kunstprojekt der ganz besonderen Art führte die Klasse 8d mit ihrer Klassenlehrerin Stephanie Bones im Atelier van Eyk mitten im Wald in Nettetal-Leuth durch. Drei Tage, genau genommen 15 Stunden, verbrachte die Gruppe auf den 22.500 qm des Ateliers im Grünen, um sich an Ort und Stelle inspirieren und den eigenen künstlerisch-schöpferischen Kräften freien Lauf zu lassen. Stephanie Bones, die auch Kunst unterrichtet, konnte ihre Klasse im Vorfeld für das Projekt so begeistern, dass sie einstimmig beschlossen hatte, auch ihren freien Pfingstdienstag „zu opfern“ und in die Heerstraße 68 nach Leuth zu radeln.

Künstlerleben nachempfinden

Am 6. Juni 2014, dem ersten Tag des Projektes,  hatte sich die Gruppe intensiv mit dem Leben und Wirken des Künstlerpaares beschäftigt, und dabei auch einen Film, den die Hochschule in Düsseldorf gedreht und veröffentlich hat, gesehen. Wilhelmina Spolders, die Verwalterin des Ateliers, führte durch das Riesenarsenal und machte an unzähligen Orten auf die vielen Kunstobjekte aufmerksam. Einer der Höhepunkt war, den Wohnwagen zu betreten, in dem Anton (1911-2004) und Dorothea (1912-1995) van Eyk über 30 Jahre ohne Strom und fließendes Wasser gelebt hatten.

„Das ist ja gerade das Interessante“, meint Schülerin Lisa D., „dass wir genau hier sein können, wo die beiden wirklich so lange gelebt haben. Das ist zwar auch alles etwas anstrengend, das Regal, das ich baue, aber das macht nichts im Vergleich zu diesen Erlebnissen hier im Wald.“

Und Christoph B. meint: „Mir gefällt es, das Leben von Herrn van Eyk kennenzulernen und künstlerisch aktiv zu werden.“

Fotos von Julietta M. Breuer und Stephanie Bones

 

Arbeiten mit Yton und Ton

Für die Klassen- und Kunstlehrerin war es wichtig, ihrer Klasse zu ermöglichen, einmal „am Stück“ zu arbeiten. Die Rechnung ging auf. Denn einige Schülerinnen und Schüler vertieften sich tatsächlich stundenlang in ihre Arbeit. Eine Gruppe kleiner Bildhauer meißelte mit Ytonsteinen ein Schwein oder andere Körper nach, die sie als Figuren im Wald entdeckt hatten. „Das war ganz schön schwierig, den Feinschliff hinzubekommen und das Objekt dadurch zu perfektionieren,“ so Schülerin Edgard B. Andere Jugendliche waren angetan von den riesigen Tonfiguren auf dem Gelände und wollten sich auf dieses Material spezialisieren. Dafür konnte die Keramik-Künstlerin Angelika Jansen aus Brüggen gewonnen werden. Am Pfingstdienstag half sie tatkräftig mit, die Skulpturen von van Eyks aus Ton im Kleinformat nachzubauen. „Die Gruppe ist hochmotiviert“, stellt Wilhelmine Spolders fest. „Man muss ja daran denken, dass wir ein verlängertes freies Wochenende haben!“

Perlen drehen und Vielerlei mehr

Andere Schülerinnen und Schüler gestalteten Kunstwerke für den Garten. So entstand an einer Stelle ein Windspiel, an anderer Stelle wurden Styroporkugeln mit Perlen beklebt, die selbstständig zusammen mit der Verwalterin Wilhelmine Spolders hergestellt wurden – sicher eine Hommage an die Künstlerin Dorothea van Eyk. Ihr Nachlass bestand nämlich aus Tausenden von Perlen, die ihr Mann 1997 nach ihrem Tod der Fachhochschule Düsseldorf geschenkt hatte. „Frau Spolders hat einen farbigen Glasstab in Gas gehalten, den ich dann permanent in eine Richtung drehen musste, damit er rund und nicht eiförmig wird“, erklärt Seda C. „Danach habe ich das in Sand gelegt. Das war bestimmt auch für Dorothea van Eyk eine anstrenge Arbeit, die auch besonders in die Finger geht!“

Ein Gruppe schliff Holzgarnituren komplett ab, eine Schülerin baute einen Hocker selbst: „Wir haben uns Holzpaletten genommen, abgemessen, abgesägt, etwas falsch gemacht, wieder von vorne angefangen, wieder gemessen etc., gebohrt und schließlich abgeschliffen,“ erzählt Elisa-Marie B. „Ich arbeite sehr gerne mit Holz. Vielleicht werde ich auch in meinem späteren Beruf etwas Handwerkliches machen.“

Malen und Nähen

Julian T. ist vertieft in seine Malerei. Als Motiv hat er sich im Wald einen Fingerhut ausgesucht. Warum? „Im Wald war eine ganz leere Fläche, und dann kam mittendrin ein Fingerhut, ein grüner Stil mit rosa Blüten. Dieser Anblick war für mich etwas ganz Besonderes, nichts Alltägliches, den wollte ich in einem Gemälde festhalten“, begründet er die Auswahl seines Motivs.

Auf dem riesigen Maltisch steht auch eine Nähmaschine. Eine Schülerin hat sich Stoffe ausgesucht und Kissen genäht. Die Kunstlehrerin Stephanie Bones erläutert: „Wilhelmine Spolders, der Lesepate unserer Klasse, Theo von Hehl, der an allen drei Tagen mit dabei war, und ich haben versucht, alles möglich zu machen. Jeder durfte sich selber aussuchen, mit welchen Materialien er arbeiten wollte“, erläutert die Klassenlehrerin. „Talente können gefördert und gefordert, aber auch neu entdeckt werden! Mir war ganz wichtig, dass dieses Projekt nicht in die Kunstnote einfließt, die Jugendlichen sollten ausschließlich etwas herstellen, was ihnen gefällt.

„Es war ganz toll mit der Gesamtschule“, resümiert Wilhelmina Spolders. „Ich habe schon oft mit jungen Leuten zusammengearbeitet, vorwiegend mit Grundschulen, die Muttertagsgeschenke oder so etwas herstellten. Das nun ist eine neue Erfahrung. Die Schülerinnen und Schüler sind spontan, ausprobierend. Das gefällt mir!“

Ausblicke

Stephanie Bones plant, zu Beginn des nächsten Schuljahres, also im Herbst 2014, an der Gesamtschule Nettetal eine Ausstellung zu präsentieren. Wir sind gespannt!

Und für sehr Interessierte ein Hinweis auf eine aktuelle Ausstellung in der Nähe von Düren: Angelika Jansen vs. Anton van Eyk. 30. März bis 24. August 2014, Töpfereimuseum Langerwehe. www.toepfereimuseum.de

 

Julietta M. Breuer

Nachrichten-Archiv 2014


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