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"Eigentlich" ist ein Weichmacher ...

An einem Berufsvorbereitungsseminar der etwas anderen Art nehmen im Moment die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 in der "Arche" in Lobberich teil.

Herr Steden, Manager, Geschäftsführer, Firmeninhaber, bekannt auch aus dem IHK-Projekt "Bosse in Schulen", nimmt auf seine unnachahmliche Weise die Schüler mit auf die lange Reise von Bewerbung über Einstellungstest zum Bewerbungsgespräch.

Neben vielen Tipps und Tricks erfahren die Schüler am eigenen Leibe, wie unbequem es ist, die eigene "Komfortzone" im Schutz der Klassenkameraden zu verlassen und sich zu präsentieren und somit angreifbar zu machen. Wie man geschickt Stimme, Gestik und Körperhaltung einsetzt, auf welche Fragen man im Vorstellungsgespräch vorbereitet sein soll, welche Arten von Aufgaben in Einstellungstests vorzufinden sind - dies alles sind Themen, die auf unterschiedliche Weise angegangen werden.

Herr Steden versteht es immer wieder, die Schüler durch Provokationen ("Seid ihr alle so faul und unsozial, wie man "draußen" sagt?") und permanente Rückfragen dazu zu bringen, eigene Antworten zu überdenken, zu präzisieren, neu zu formulieren. Ein "Ich weiß nicht." akzeptiert er in den seltensten Fällen; er verlangt den Mut, Vermutungen anzustellen, zu schätzen, Antworten zu "entwickeln". Für Adverbien wie "eigentlich" erfindet er die Wortart "Weichmacher", weil sie Aussagen und Meinungen aufweichen und dem Gegenüber zeigen, dass man unsicher ist.

Es entstehen Diskussionen über viele verschiedene Themen. Erziehungsstile werden ebenso ins Visier genommen wie Fragen zu Mehrwertsteuersätzen, zur Entstehung von Inflation und zum Generationenvertrag und ob es sinnvoll ist, in die Rentenkasse einzuzahlen.

Der erste Tag des Seminars schließt mit dem Auftrag, am nächsten Tag in der Kleidung zu erscheinen, die man zu einem Vorstellungsgespräch anziehen würde.

HaJo Busch

Zu den Fotos:

2.Tag:

Am zweiten Tag stand dann das Praktische im Vordergrund. "Was kommt in einem Bewerbungsgespräch auf mich zu und wie verhalte ich mich?" war das Hauptthema.

Den Auftrag von Herrn Steden, an diesem Tag die Kleidung zu tragen, die man auch für ein Bewerbungsgespräch anziehen würde ("Oh je, was zieh ich morgen denn dann an?" Schon am Vortag herrschte diesbezüglich erst einmal Ratlosigkeit.), setzten die Schüler und Schülerinnen nahezu alle zur größten Zufriedenheit um. Blütenweiße Hemden, teilweise mit Krawatte, und hübsche Blusen sowie hochhackige schicke Schuhe bestimmten das Bild an diesem Morgen, an dem es auch darum ging, zu lernen, dass man nur dann auch einen überzeugenden Auftritt bei einer Bewerbung hat, wenn man mit genügend Selbstvertrauen und auch der Wertschätzung seiner eigenen Person antritt.

Der Satz "Ich bin toll, weil…" kam dabei in der Anfangsübung vielen zunächst nur schwer über die Lippen. Es fällt nicht so leicht, Positives über sich zu äußern.

In den folgenden simulierten Bewerbungsgesprächen, in denen Herr Steden auch deutlich machte, wie man am besten mit einem schlecht gelaunten Personalchef umgeht und was es bedeutet, wenn man plötzlich englisch sprechen muss ("Leider steht heute nur Mr Smith aus unserer Branch in Canada für ein Gespräch zur Verfügung…"), wurde allen deutlich, wie wichtig Flexibilität und Selbstvertrauen sind.

"Seid authentisch, lernt soviel wie möglich, seid euch dessen bewusst, was ihr könnt und macht in einer Bewerbung deutlich, warum ihr die Richtigen für den Job seid", war das Fazit, das Herr Steden allen auf den weiteren (Schul-)Weg mitgab.

Der abschließende Beifall der Schüler wiederum machte deutlich, dass die vergangenen zwei Tage sicher noch länger im Gedächtnis haften bleiben werden und bei vielen auch einen neuen Denkprozess in Gang gesetzt haben.

Das Wort "eigentlich" kam an diesem zweiten Tag übrigens nur noch sehr selten zum Einsatz.

Anke Ratusny

 

Wir möchten uns im Namen der gesamten Stufe noch einmal herzlich bei der Pfarrgemeinde St. Sebastian - und ganz besonders bei Herrn Pläp - dafür bedanken, dass sie uns großzügig und unkompliziert die Räumlichkeiten des Jugendheims "Arche" für die beiden Tage zur Verfügung gestellt haben. So konnten wir uns unabhängig von Pausenzeiten und Mensabetrieb der Schule ganz auf unser Thema konzentrieren.

Nachrichten-Archiv 2013


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