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RP: Wachbleiben damals wie heute

Am gestrigen Holocaust-Gedenktag erinnerten Gesamtschüler aus Nettetal an das Schicksal jüdischer Bürger in Breyell und daran, dass sich andere Bürger für sie einsetzten. Sie mahnten alle, eine Wiederholung zu verhindern.

Geht es nach den Zahlen der aktuellen Umfrage zum Thema Antisemitismus, so sieht es schlecht aus in Deutschland. Jeder Fünfte hat Tendenzen zur Judenfeindlichkeit, und viele junge Leute können mit dem Begriff Auschwitz nichts anfangen.

Dass es anders geht, zeigte gestern die Gedenkfeier an die Opfer des Nationalsozialismus, die im jährlichen Wechsel eine Nettetaler Schule in der Alten Kirche gestaltet. An der Reihe war diesmal die Gesamtschule. Die Schüler sind mit dem Thema Antisemitismus vertraut. Unter dem Leitwort "Wach bleiben!" berichteten sie über Judenfeindlichkeit während der NS-Zeit in Breyell. Aber sie erzählten auch darüber, dass damals Menschen ein hohes Risiko eingingen, indem sie sich für Juden einsetzen. So schilderten sie die Geschichte vom Breyeller Schutzmann, der sich in einer Kneipe schützend vor einen Juden stellte und SA-Männer sogar mit Schüssen in Schach hielt. Der Polizist wurde von SA-Leuten mehrfach zusammengeschlagen, ein Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Die Spur des jüdischen Bürgers verliert sich in einem KZ.

Nettetaler Gesamtschüler gestalteten die Gedenkfeier am Holocausttag in der "Alten Kirche" in Lobberich. Foto: Busch

Bezug zur Gegenwart

Die Schüler beließen es nicht dabei. Sie stellten den Bezug zur Gegenwart her: Auch heute bestehe durchaus die Gefahr, dass solche Ereignisse vergessen werden oder sich wiederholen könnten. So riefen sie den Besuchern der Veranstaltung stets neu eindringlich "Wach bleiben!" zu. Sie forderten die zahlreichen Besucher auf, Zivilcourage zu zeigen, damit ein Verbrechen wie der Holocaust nicht noch einmal geschieht.

Die Schüler haben sich in der vergangenheit mit der Geschichte der Breyeller Juden befasst. Sie waren daran beteiligt, dass Stolpersteine in Breyell eingelassen wurden. Diese Stolpersteine haben unterschiedliche Bedeutungen. Sie sorgen sie dafür, dass die Namen der Opfer auch nicht nach ihrem Tod vergessen werden. Und wer die Stolperstein-Inschriften liest, muss den Kopf senken. Die Schüler möchten eine Gedenkstätte am Standort der ehemaligen Synagogen errichten. Dazu haben schon ausgereifte Pläne, die sie mit der Stadt und dem Grundstücksbesitzer abstimmen werden. "Wir stehen in Gesprächen", erzählte eine Schülerinnen am Rande der Gedenkfeier.

Auftrag an alle

Bürgermeister Christian Wagner bedankte sich bei den Schülern für die Gestaltung der Gedenkfeier. Er erinnerte an die Zahlen der Umfrage zum Thema Judenfeindlichkeit. Die Besucher der Feier trügen nicht dieses Gedankengut mit sich herum, sondern sorgten im Gegenteil dafür, die Botschaft des friedlichen Miteinanders wach zu halten und in die Welt zu tragen.

Vor der Kirche legten der Bürgermeister, die Schüler und alle Anwesenden noch einen Kranz nieder. Dort erinnert eine Gedenkstätte an die Juden in der heutigen Stadt Nettetal.

 

Info
Gunter Demnig

Stolpersteine Der Künstler Gunter Demnig weist seit den 1990er-Jahren mit kleinen Pflastersteinen mit Messingplatte auf die Opfer der Nazis hin – meist an ihren Wohnhäusern.

Finanzierung Die Steine werden von Privatleuten finanziert. Sie kosten mit Verlegung 120 Euro.

Kaldenkirchen Am 6. Februar werden in Kaldenkirchen sechs Stolpersteine verlegt.


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