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RP: Gesamtschüler fanden in Auschwitz unerwartete Bezüge zur Heimat

Mit erschütternden Eindrücken sind Jugendliche der Gesamtschule Nettetal von einem Besuch des früheren Konzentrationslagers Auschwitz zurückgekehrt. Sie nahmen möglicherweise unauslöschliche Bilder mit nach Hause und wollen künftig aktiv erinnern und aufklären.

Die Idee zur Fahrt hatten die Schüler. Um die Fahrt für alle zu ermöglichen, nahm Lehrerin Julietta Breuer Kontakt mit der „Stiftung erinnern ermöglichen” auf. Überraschend stellte sich in Polen heraus, dass die Großeltern der Stifterin Roswitha Betha aus. Lobberich stammen. "Diese außerplanmäßige Reise kann sich nicht jeder Schüler leisten. Darum war ich froh, dass die Stiftung die Kosten übernommen hat", sagt Breuer. Sie war vom 23. bis zum 27. Januar mit den Schülern in Krakau. Zunächst besichtigten sie in der Stadt das jüdische Viertel, tags darauf stand eine sechsstündige Führung durch das KZ Auschwitz auf dem Programm. Dort trafen sie anschließend mit der Delegation von NRW-Schulministerin Silvia Löhrmann zusammen.

Zum Foto: Erschütternde Eindrücke hat der Besuch der Nettetaler Gesamtschüler im Konzentrationslager Auschwitz hinterlassen.    FOTO: KN

Am folgenden Tag besuchte die Gruppe die Fabrik von Oskar Schindler. „Mir ist in Auschwitz vor einer Europakarte mit Zahlen erst die Bedeutung der Verfolgung europäischer Juden deutlich geworden”, berichtet Camilla Knops. „Der Anteil deutscher Juden war im Vergleich zu denen aus anderen Nationen ja eher klein.” Wichtig war für die Schüler der anschließende Dialog mit Pfarrer Dr. Manfred Deselaers, der aus Viersen stammt. „Er sagte uns, wir sollten nicht nur mit einem traurigen Gefühl heimkehren. Wir hätten keine persönliche Schuld an den Ereignissen. Wichtig sei, dass wir das Erlebte weitergeben.”

Besonders abstoßend empfanden alle Schüler die Hinterhältigkeit und Häme, die die Untaten der Nazis begleiteten. „Die Menschen, die gleich in die Gaskammern mussten, wurden noch aufgefordert, Namen auf ihre Koffer zu schreiben und sich ihren Haken zu merken. Sogar bis kurz vor Schluss blieben Soldaten der SS in den Gaskammern, um den Schein zu wahren”, berichtet Oliver Tilch. „Oder es standen und hingen überall Schilder mit Aufschriften wie ,Sei ehrlich' oder ,Sei gehorsam' - was für Lügen”, empört sich Simon Erkens.

„Auschwitz hat nichts mit Krieg zu tun”, meint Karsten Tilch, das sei etwas vollkommen anderes. Ähnlich sieht es Breuer. Aus ihrer Sicht muss Auschwitz als abschreckendes Beispiel dienen und als Mahnmal „für die Menschlichkeit” stehen. Den Schülern ist bewusst, dass sie die letzte Generation sind, denen Zeitzeugen die Ereignisse geschildert haben. „Ich muss davon meinen Kindern und Enkeln berichten”, sagt Camilla Knops.

Autor: Philipp Peters (RP)


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