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RP: Den Opfern ein Gesicht geben

Sieben Schüler der Gesamtschule Nettetal wollen ein Zeichen setzen. Sie erforschten ein Jahr, was mit den Breyeller Juden passierte. Auch nach Projektende wollen sie Menschen sensibilisieren und kämpfen für eine Gedenktafel.

Carmilla Knups, Meike Niemeyer, Tobias Born, Nicole Siegmund, Bianca Hoibooden, Pia Erberath und Oliver Schmitz haben ein Ziel vor Augen: Sie kämpfen für eine Gedenktafel an der Biether Straße – genau dort, wo einmal die Breyeller Synagoge gestanden hatte. "Wir wollen damit an die Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg erinnern", sagt Camilla Knups. "Sie soll nicht in Vergessenheit geraten, schließlich ist es Teil unserer Geschichte."

Nach einem Jahr zeitintensiver Recherche in Kreisarchiv, auf dem Breyeller Friedhof sowie einer Vermessung, wo genau sich die alte Synagoge befunden hat, sind die Elftklässler nun auf der Suche nach Sponsoren für ihr Projekt. Beim Kulturausschuss trugen die sieben Projektteilnehmer nun ihr Anliegen ebenfalls dem Bürgermeister vor, in der Hoffnung, dass die Stadt einer Gedenktafel zustimmt. Die Stadt reagierte positiv, Gespräche mit dem Grundstücksbesitzer laufen.

 

zum Bild: "Auch wenn wir nichts dafür können, haben wir das Projekt als Wiedergutmachung empfunden", sagt Meike Niemeyer (vorne M.). Die Gesamtschüler kämpfen für eine Gedenktafel am Ort der ehemaligen Synagoge. Rp-Archivfoto: busch

Persönliches Denkmal

In der vergangenen Woche präsentierten die Gesamtschüler ihr Projekt beim Benefizkonzert in der evangelischen Kirche in Kaldenkirchen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International unterstützte die Gesamtschüler dabei und teilte ihre gesammelten Spenden mit ihnen: Sie übergab den Nettetalern 300 Euro für ihr Projekt (wir berichteten).

Gedanken, wie das Denkmal aussehen soll, haben sich die Schüler auch bereits gemacht: "Wir wollen die Namen der deportierten Juden – am liebsten mit Bilden aus ihren Pässen – auf der Tafel auflisten", sagt Camilla Knups. "Denn wenn man den Opfern ein Gesicht gibt, ist es viel persönlicher", ergänzt Tobias Born. "Aber trotzdem sollte die Tafel schlicht bleiben, wir wollen hier schließlich nichts zur Schau stellen", sagt Meike Niemeyer.

Es wird deutlich, dass die Schüler sich sehr gründlich mit dem Thema beschäftigt haben und es ihnen zum Teil sehr nahe gegangen ist. "Es hat mich sehr berührt, als ich original Deportationspapiere in den Händen hielt", sagt Oliver Schmitz sichtlich bewegt. Und genau diese Sensibilisierung lässt die Schüler auch weiterhin nicht los. Obwohl das Projekt mehr oder weniger abgeschlossen ist, setzen sich die Schüler weiterhin dafür ein, andere zu sensibilisieren. "Uns war es wichtig, Hintergründe aufzudecken und Ideen anzustoßen", sagt Tobias Born. "Wenn ich jetzt eine Gedenktafel sehe, halte ich an und lese sie interessiert. Man denkt plötzlich ganz anders darüber." Die Schüler kämpfen weiterhin für ihren Wunsch und überlegen, wie sie weitere Spenden sammeln können.

"Ich bin begeistert, wie sehr sich die Schüler von Anfang an für das Projekt eingesetzt haben", sagt Lehrer und Projektbetreuer Christian Hlawa. "Sie haben dafür ihre Freizeit geopfert und machen es auch weiterhin. So viel Engagement ist wirklich ungewöhnlich."

Info

Breyeller Juden

Deportierte Rund 20 Juden sind aus Breyell deportiert worden.

Synagoge Die Schüler haben die genaue Lage der ehemaligen Synagoge vermessen und auf die Straße gesprayt. Die Umrisse sind weiterhin zu sehen.

Gräber Auf dem Breyeller Friedhof gibt es zwei Gräber von Juden. Ein Grabstein wurde zwar zerstört. Der andere existiert, da der damalige Friedhofsgärtner den Stein in seinem Garten vergraben hatte.

Original-Artikel:

Nettetal: Den Opfern ein Gesicht geben (RP ONLINE, 17.11.2010)

 


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