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In Kaldenkirchen werden Stolpersteine verlegt

Am Montag, 6. Februar werden um 11.30 Uhr „Stolpersteine“ in Nettetal-Kaldenkirchen an der Fährstraße 10 und an der Steyler Straße 7 zum Gedenken an Hedwig Lion und Ruth Harf verlegt. Die Initiative geht von der städtischen Gesamtschule aus, die Stadt Nettetal und der Bürgerverein Kaldenkirchen unterstützen die Aktion.

Im März 2011 nahm die Gesamtschule Nettetal als eine von fünf Schulen (38 waren angeschrieben worden) aktiv am „Zug der Erinnerungen“ in Viersen teil, der das Schicksal von mehr als einer Million deportierter Kinder dokumentierte. In diesem Zusammenhang haben mehrere Klassen des damaligen Jahrgangs 10 und 11 das Los der aus Breyell, Kaldenkirchen und Süchteln stammenden Kinder, die Opfer des Nationalsozialismus geworden sind, erarbeitet und in Form von Plakaten im „Zug“ dokumentiert. Das Thema ließ einige der beteiligten Schüler nicht mehr los. Es entstand der Wunsch, weiter am Thema zu arbeiten. Das Projekt, Stolpersteine zu initiieren, war dafür eine geeignete Maßnahme. Julietta Breuer, Historikerin und Lehrerin an der Gesamtschule: „Da in Breyell bereits Stolpersteine verlegt waren und Süchteln nicht in unserem Schuleinzugsbereich liegt, lag es nahe, uns weiterhin mit Kaldenkirchen zu beschäftigen.“

Der Arbeitskreis „Zug der Erinnerungen“, bestehend aus neun Schülerinnen und der Lehrerin, stellte seinerzeit einen entsprechenden Antrag an Bürgermeister Wagner und den Rat der Stadt Nettetal. Die Begründung im Antrag: “Uns ist bekannt, dass es in Kaldenkirchen eine Judengedenktafel gibt, die jedoch keinen Aufschluss über das Alter und den Wohnsitz der ermordeten Juden und Jüdinnen gibt. Es ist uns ein Anliegen, bewusst zu machen, dass Kinder im eigenen Wohnviertel ermordet wurden. (Insgesamt 1,5 Millionen Kinder europaweit).“ Ziel der Verlegung sei es auch, Familien wieder bildlich zusammenzuführen, weswegen die Namen der Kinder und deren Eltern aufgeführt werden. Das Projekt wurde in diesem Schuljahr im Rahmen des Geschichtskurses des Jahrgangs 12 von fünf Schülerinnen, Tasmin Hendricks, Bianca Hoiboom, Fabienne Karmanns, Kim Liehnen, Ann-Christin Steindl und der Lehrerin weitergeführt.

Zur Erinnerung sollen vor den Häusern, in denen die ermordeten Kinder zuletzt gelebt haben, Stolpersteine, die der Künstler Günter Demnig (Köln) hergestellt hat, in den Bürgersteig eingelassen werden. Die Feierstunde, zu der alle Bürger eingeladen sind, hat einen besonderen Rahmen. Heinz Heines (78) ist Nachbar der Familie Harf, Ursula Maaßen (76) Kindheitsfreundin von Hedwig Lion, Heinz-Willi Schmitz (67) sprach vor 20 Jahren mit Elisabeth Heymann, verwitwete Lion, in Wiesbaden. Sie werden ebenso zu Wort kommen, wie Bürgermeister Christian Wagner, Gesamtschulleiter Roland Schiefelbein, Historiker Professor Dr. Leo Peters und Wilfried Johnen, Geschäftsführer des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Düsseldorf.

Hedwig Lion, Jahrgang 1932, deportiert 1941, in Riga 1943 ermordet. Vater Max Lion, Jahrgang 1905, deportiert 1941 nach Riga, am 19. März 1945 im KZ Salaspils ermordet. Elisabeth Lion, Jahrgang 1909, deportiert 1941 nach Riga. Sie überlebte, wohnte von 1945 bis 1947 in Kaldenkirchen und wanderte dann nach Peru aus. Elisabeth Lion kehrte 1966 nach Deutschland (Wiesbaden) zurück, wo sie am 9. Oktober 1996 verstarb.

Ruth Harf, Jahrgang 1938, deportiert 1941 nach Riga, ermordet im November 1943. Tochter von Lina Harf, Jahrgang 1906, deportiert 1941 nach Riga, ermordet am 10. Dezember 1943 und Simon Harf, Jahrgang 1905, deportiert 1941 nach Riga, ermordet in Salaspils.

 

Quelle: Stadt Nettetal


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