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Eine Hedi-Lion-Straße für Kaldenkirchen

Gesamtschüler beantragen Benennung

Nettetal (dv/hws). Die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger aus Nettetal wachhalten, ist das Anliegen einer Gruppe von Mädchen und Jungen der Gesamtschule Nettetal. Im Februar hatten die Schüler zusammen mit Lehrerin Julietta Breuer die Verlegung der Steine initiiert und mit Unterstützung des Bürgervereins Kaldenkirchen und der Stadt umgesetzt.
Die Schüler hatte besonders das Schicksal der Kinder Hedwig, genannt Hedi, und Ruth bewegt. Die sechs Stolpersteine auf dem Gehweg vor dem Haus Fährstraße 3 erinnern an Hedwig, Max und Elisabeth Lion und die Steine an der Steyler Straße 7 an Ruth, Lina und Simon Harf.
Die Schüler hatte vor allem das Schicksal der kleinen Hedwig „Hedi” Lion bewegt. Hedi Lion wäre am 14. Mai 80 Jahre alt geworden. Die 1932 in Kaldenkirchen geborene Jüdin wurde 1938 nach Riga deportiert und dort verschleppt. Ihre Mutter Elsa überlebte als einzige und berichtete 1989 von ihren Erlebnissen. Am 11. September 1941 wurden die Lions in den Osten deportiert. Erst wurden sie in einen Schlachthof nach Düsseldorf gebracht und von dort weiter in verschlossenen Waggons nach Riga. „Wir wurden wie Tiere aus dem Waggon geholt und ins Ghetto gebracht. Von da an fing das Schlimmste an, was ich erlebt habe”, erzählte Else Heymann.
Nach ihren Erinnerungen wurde ihre Tochter Hedi am 2. November 1943 verschleppt: „Wir kommen von der Arbeit zurück, da war das Ghetto ausgeräumt von Kindern und alten Leuten, und ich habe meine Hedi nicht mehr gesehen. Auch Lina Harf und ihre Ruth waren dabei. Verschwunden, ohne dass ich wusste, wo sie geblieben sind. Ich war verzweifelt ..."
Else Heymann, verwitwete Lion, erzählte dies 1989 in Wiesbaden, als sie 80 Jahre alt wurde.
Else Heymann überlebte als einzige der Familie den Holocaust. Sie heiratete später ein zweites Mal und lebte zeitweise in Peru und von 1966 bis zu ihrem Tod am 9.Oktober 1996 mit ihrem zweiten Mann in Wiesbaden. Von 1945 bis 1947 war sie noch einmal in Kaldenkirchen.
Jetzt hat sich Julietta Breuer, Lehrerin für Geschichte an der Gesamtschule, in einem Brief an den Bürgerverein Kaldenkirchen gewandet, mit der Bitte, die nächste Straße in Kaldenkirchen als „Hedi-Lion-Straße” zu benennen.
„Im Kreis Viersen gibt es Anne-Frank-Schule, auch eine Schule ist in Viersen nach diesem jüdischen Kind benannt. Aber was spricht dagegen, die Kinder aus der Heimat stärker ins Blickfeld zu rücken? Denn das Schicksal deportierter jüdischer Kinder betrifft uns dabei sicherlich am meisten.” Der Bürgerverein begleitet den Antrag positiv.


Leserbrief

Hoekes übernehmen Kosten für nächsten Stolperstein

Die Aktion von Schülerinnen und Schülern und ihrer Lehrerin von der Gesamtschule Nettetal und die Unterstützung des Bürgervereins Kaidenkirchen, mit der Verlegung von sog. Stolpersteinen die Erinnerung an ehemalige jüdische Mitbürger wachzuhalten, ist sehr zu begrüßen. Wir möchten einen kleinen Beitrag dazu leisten und wollen die Kosten für den nächsten Stein übernehmen.
Viel Erfolg wünschen wir auch dem weiteren Vorhaben, mit der Benennung eines Straßennamens an das Schicksal des ermordeten jüdischen Kindes Hedi Lion aus Kaldenkirchen zu erinnern, dessen unmenschlicher Leidensweg schon lange vor der Deportation im Kreise seiner christlichen Kaldenkirchener Mitbürger begann. In dem mit hws gezeichneten Artikel
kommt dies leider nicht zum Ausdruck.
Die positive Begleitung des Antrags zur Namensgebung einer Straße durch den Bürgerverein wird hoffentlich zum Erfolg führen, zumal in ganz Nettetal - soweit ersichtlich - bisher noch keine Straße, kein Platz oder Gebäude an eines der Opfer der NS-Verfolgung oder an eine der Personen erinnert, die sich in bewundernswerter Weise durch ihre Haltung in jener Zeit von den überzeugten Nazis, den Opportunisten, den Gleichgültigen, den Wegsehern und den vielen schlichten Mitläufern unterschieden haben.
Die „Gnade der späten Geburt” lässt die Frage, wie wir, die Schreiber dieses Leserbriefes, uns wohl damals verhalten hätten, unbeantwortet und im Ungewissen.

Leserbrief von Ulla und Hans Hoeke; Hombergen


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