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Erinnern in Auschwitz

Eine Schülergruppe des 13. Jahrgangs stellte am 25. Januar 2013 zum Gedenken an die Holocaust-/ Shoah-Opfer an der Todeswand im Stammlager in Auschwitz I  und auf der deutschsprachigen Gedenktafel in Auschwitz-Birkenau Kerzen auf.

"Als ich durch das Tor ging mit der Auschrift "Arbeit macht frei", hatte ich ein sehr beklemmendes Gefühl. Es war so erdrückend ... Ich glaube, das erging allen so", beschreibt Meike N. den Augenblick, als die Gruppe im größten Vernichtungslager der NS-Diktatur ankam. Emotional sehr nahe gingen die Momente, in denen die Massen-Schicksale am authentischen Ort individuell be-greif-bar wurden; der Anblick  der unzähligen persönlichen Gegenstände, die nach der Befreiung gefunden worden sind: die Koffer, auf denen die Opfer noch kurz vor ihrer Ermordung ihre Namen schreiben mussten, die vielen abgeschnittenen Zöpfe, die Berge von Schuhen, Brillen, Beinprothesen und Rasierpinsel, insbesondere aber auch die Kleidungsstücke von Kleinkindern und Babys.

STIFTUNG Erinnern ermöglichen

Nach einer sechsstündigen Study-Tour durch das Lager begenete unsere Lerngruppe im "Zentrum für Dialog und Gebet" Vertretern der STIFTUNG "Erinnern ermöglichen" (Düsseldorf),  zwei weiteren Lerngruppen aus Krefeld und  Kerpen sowie der Schulministerin Sylvia Löhrmann. Hier stand Pfarrer Dr. Manfred Deselaers  zu einerm seelsorgerischen Gespräch bereit, was der Schülergruppe sichtlich gut tat.  Er ermunterte sie, mit dem Wissen um die schreckliche Geschichte den Blick immer wieder nach vorne zu richten.  Nach einer arbeitsteiligen Gruppenarbeit präsentierten Ann-Christin St., Meike N., Camilla K. und Simon E. die Arbeitsergebnisse vor dem Plenum.  "Ihr seid auch Botschafter für ein starkes und friedfertiges  NRW", bestärkte die Schuminsterin  abschließend alle  SchülerInnen der drei Schulen in ihrem Engagement.

Persönlich bedanken konnten wir uns bei Roswitha Bethe aus Bensberg, die gemeinsam mit ihrem Ehemann die STIFTUNG finanziell unterstützt. Alleine diese Fördergelder hatte unserer Schülerschaft die Studienreise nach Polen ermöglicht. Interessant war, zu erfahren, dass die Großeltern von Roswitha Bethe aus Lobberich stammen. In ihrer Abschlussrede forderte Bethe die Schülerschaft auf, "selber Zeichen der Ausgrenzung zu erkennen und sich dagegen zu äußern".

Schwerpunkt in der Sekundarstufe II

Da das Thema Nationalsozialismus an der Städtischen Gesamtschule Nettetal in den Lehrplänen der Sekundarstufe II breit gestreut ist, war die Schülergruppe nicht nur durch die Geschichtskurse, sondern auch von den  Religions-, Pädagogik- und Deutschkursen her fächerübergreifend bestens vorbereitet. Dies spiegelte sich in einem sehr hohen Maß an Sachinteresse und Eigeninitiative. So ging auch der Wunsch, nach Auschwitz zu fahren, von Schülerinnen aus. Im Rahmen der viertägigen Studienreise wurde die Gruppe mehr als 8 Stunden durch das jüdische Viertel Kazimierz und die Altstadt in Krakau sowie mehr als 2 Stunden durch die  Fabrik von Oskar Schindler, der als einer der Gerechten in Yad Vasem in Israel  geehrt wird,  geleitet. (Fotos: Vor dem Eingangstor, Schindlers Arbeitszimmer, Treppenaufgang zum 1. Stock.)

Bedeutung für die Gegenwart

"Bücher und Filme lehren wichtiges Hintergrundmaterial, aber erst vor Ort begreift man das Ausmaß des Verbrechens und wir können die grausamen Geschehnisse im eigenen Kopf rekonstruieren", so Ann-Christin St. und Magda P.  "Der Geschichte, die wir in unseren Wurzeln tragen, müssen wir uns bewusst werden. Die Gleichgültigkeit gegenüber diesem Massaker muss bekämpft werden, denn das ist der entscheidende Schritt für die Entwicklung einer verantwortungsbewussten Gesellschaft. Die dort  gesammelten Erfahrungen kann uns keiner nehmen." Auf die Frage, warum sie nach Auschwitz fahren, meinen Oliver und Karsten T.: "Man muss dem Grauen ins Gesicht schauen, damit man daraus lernen und Vorkehrungen treffen kann, damit sich derartige Geschehnisse in unserer Geschichte nicht wiederholen." Und Tasmin H.  erklärt: ""Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!" - das ist meine Antwort, wenn mich jemand fragt, warum ich nach Auschwitz fahre."

Wenn Humanität und Helfen zur Maxime wird, dann ist Widerstand im weitesten Sinne eine "moralische Geste" (Herta Müller, 1994). Auschwitz ist ein Synonym für Unmenschlichkeit schlechthin. Der Besuch von Auschwitz bestärkt die Schülerschaft noch mehr, moralisch zu handeln.

Julietta Breuer


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