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"Anne Frank" in Breyell - eine Spurensuche

Bisher kannten die Schülerinnen und Schüler nur das Mädchen Anne Frank. Jetzt hieß es, herauszufinden, ob auch in unserem Schulort Breyell ein Kind Opfer der NS-Diktatur geworden ist. Im Rahmen der Leseprojektwoche „Jugend im Nationalsozialismus“, die federführend von Deutsch- und Religionslehrerin Barbara Boyxen organisiert worden ist,  wurden alle vier Klassen des siebten Jahrganges zu zwei ausgewählten Erinnerungsorten in Breyell geführt, die fußläufig von der Gesamtschule aus zu erreichen sind.

In der Josefstraße bekamen die Siebtklässler den Auftrag, Hinweise nach einem „Holocaust-Kind“ zu suchen, die sie auch schnell in Form von Stolpersteinen fanden. Anhand der Lebensdaten fanden die vier Gruppen schnell heraus, dass „unser Kind aus Breyell“ Werner Klaber ist (Jg. 1936), der mit fünf Jahren ermordet wurde. Seine Spuren verlieren sich nach seiner Deportation in das Konzentrationslager nach Riga im Jahre 1941.

NS-Gräuel in der Nachbarschaft

„Wir hätten nie gedacht, dass so etwas hier passiert ist!“, meint Ellen R. beispielsweise, und alle pflichten ihr bei. „Wir als Kinder erfahren nun, was bei uns im Ortsteil passiert ist“, erklärt Chantal H. „ Wir denken immer nur, dass es Anne Frank ist.“  Und Mizgin E. dazu: „Wir hatten nur was von Anne Frank gehört, jetzt erfahren wir von Leuten, die in Breyell wohnten, direkt neben uns!“

Bisher hatten die rund 120 Schülerinnen und Schüler die NS-Gräuel mit großen Städten verbunden, im Falle von Anne Frank mit Frankfurt oder Amsterdam. „Jetzt sieht man Breyell ganz anders, wenn man das weiß,“ meint Emel G. „Und ich frage mich jetzt, ob so etwas auch in Lobberich passiert ist.“ Und Chantal ergänzt: „Oder in Schaag?“ Annika V. meint erstaunt: „Ich hätte niemals gedacht, dass wir täglich an solchen Orten vorbeigehen!“

Hoffnung:  Die jüngste „Klaber-Wurzel“

Aus ihrer tiefen Trauer können wir die Kinder wieder herausholen, als wir ihnen berichten, dass zwar jüdische Gemeinden im damaligen Deutschen Reich mit hunderten Mitglieder total ausgelöscht worden sind, aber dies in Breyell nicht ganz gelungen ist. Zwar haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg keine Jüdinnen und Juden mehr in unserem Schulstandort angesiedelt, aber eine neue „Wurzel“ der Klabers ist erst kürzlich, am 4. Mai 2014 in Israel geboren worden: Das Foto des Babys „Geva“ - es ist der Halb-Großneffe von „unserem“ Werner Klaber – gibt wieder viel Hoffnung und begeistert die Schülerinnen und Schüler.

Dazu David aus der 7c: „Ich finde es klasse, dass es in Israel immer noch eine jüdische Wurzel aus Breyell gibt und die Nazis es nicht geschafft haben, alle Juden zu vernichten. Ich finde es gut, dass Werner Klaber jetzt schon Großonkel wäre. Ich hoffe, es wird immer mehr Klabers geben!“

Und Annika V. betont: „Ich finde es schön, dass einige Juden aus Nettetal überlebt haben und Hitler und seine Anhänger nicht alle töten konnten.“

Anschauungsmaterial

Zu den wenigen Überlebenden gehörte auch Werner Klabers Vater, Fritz Klaber, der das Konzentrationslager in Dachau im Jahre 1939 unter der Bedingung noch rechtzeitig verlassen konnte, dass er innerhalb von 24 Stunden das Deutsche Reich für immer verlassen musste. Von Holland versuchte er dann vergeblich, eine Ausreisegenehmigung für seine junge Familie in Breyell zu erwirken. „Wie schlimm das doch für den Vater von Werner sein musste, Frau und Sohn zu verlieren,“ stellt Christin G. betrübt fest.

Auch Werners Vater ist mittlerweile verstorben. Wir sind aber in der ganz besonderen Situation, über Jack Klaber, seinen 1950 geborenen Sohn aus zweiter Ehe, noch viel Anschauungsmaterial in kopierter Form zeigen zu können, so auch die Handschrift des fünfjährigen Werner Klaber. Denn seine Mutter Ilse hatte ihm das Schreiben beigebracht! „Ich finde es toll, dass wir soviel Material gesehen habe, durch das wir uns in die Situation „reinfühlen“ konnten,“ so Kevin B.

Stolpersteine polieren

Es war keine Frage, dass sich alle Schülerinnen und Schüler meldeten, die Stolpersteine zu polieren.  Noch etwas für Werner Klaber und seine Familie tun zu können, empfinden sie als große Ehre. „Wir finden es toll, dass wir die Stolpersteine sauber machen durften (!)“, erklärt Melina aus der 7c. Eine Schülerin, Evdokia P., hatte sogar als Anschauungsmaterial von sich ein Original-Stolperstein-Putztuch aus Berlin mitgebracht, obwohl sie vorher noch gar nichts von dem Reinigungsangebot gewusst hatte!

Zu den Fotos:

Tipps für Interessierte:

Julietta. M. Breuer

 


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